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Aktualisiert: 12.07.2022

Book Buddies – Ein Projekt zur Leseförderung

Leseförderung auf Augenhöhe: Hier erfahren Sie mehr über Konzept des „Book Buddy“-Projekts.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Vorlesen – der erste Schritt auf dem Weg zum Bücherwurm :)

Primäres Ziel des Projektes ist die Verbesserung der Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen.
In der PISA-Studie von 2018 zeigten sich mit einer Steigerung um einige Prozentpunkte bereits erste positive Ergebnisse der Bemühungen um eine Verbesserung in diesem Bereich.

Dennoch: 21% der 15-Jährigen zählt die Studie zu den besonders Leseschwachen.

Das bedeutet, sie sind nicht in der Lage, einfache Verknüpfungen beim Lesen von Texten, wie z. B. die Bestimmung des Hauptgedankens eines Textes zu einem vertrauten Thema, herzustellen.

Daraus ergeben sich nicht nur Probleme im Fach Deutsch, auch Klassenarbeitsaufgaben können nicht korrekt gelöst und Texte in anderen Fächern nicht richtig verstanden werden. Die Folge sind schlechte Noten und damit ungünstigere Voraussetzungen für einen guten Start ins Berufsleben.

Ein erster und besonders wichtiger Schritt, Kinder zu begeisterten Leserinnen und Lesern zu machen, ist das Vorlesen. Die jährlichen Vorlesestudien von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung ergaben, dass Kinder, denen häufig vorgelesen wird, einen grösseren Wortschatz entwickeln, später selbst mehr Spass am Lesen und im Schnitt auch bessere Schulnoten haben.

Die Studien zeigen aber auch, dass in etwa jeder dritten Familie das Vorlesen zu kurz kommt.

Mädchen vor Bücherregal am Lesen
In vielen Familien kommt das Vorlesen zu kurz – hier können die Bücherkumpel aus der Primarschule einspringen, Quelle: Betzold

Willst du mein Book Buddy sein? – Das Konzept

Durch das Book Buddy-Projekt können auch diese Kinder erreicht werden.
Haben Sie vielleicht selbst Interesse, Lesepatenschaften zwischen Ihren Schülerinnen und Schülern und Kindergartenkindern anzuregen?

Mit einem Kindergarten in der näheren Umgebung ist die Umsetzung gar nicht schwer – Kinder, Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sind vom Spass und den Vorteilen, die das Projekt mit sich bringt, in der Regel schnell überzeugt und begeistert :)

1. Kontakte knüpfen:

Zwischen Primarschulen und Kindergärten bestehen durch Einführungs- und Vorbereitungsveranstaltungen für künftige Erstklässler ja in der Regel bereits Kontakte, die Sie für einen ersten Informationsaustausch über das Konzept nutzen können.

Das Projekt kann beispielsweise durch eine Auftaktveranstaltung des Kreiselternrats gleich an mehreren Schulen und Kindergärten ins Leben gerufen werden.
Die wichtigste Voraussetzung für die Umsetzung ist die Nähe zur Partnereinrichtung, so dass die Kinder sie möglichst schnell erreichen können.

2. Leseort finden:

Am unkompliziertesten ist es natürlich, wenn die Bücherkumpels sich in den Räumen des Kindergartens oder der Schule treffen können. Im Kindergarten finden sich oft gemütlichere Leseecken – wobei auch viele Schulen inzwischen mit Rückzugsräumen, Schulbüchereien oder Leseecken im Klassenzimmer ausgestattet sind.

Auch das straffere Zeitprogramm der Schülerinnen und Schüler spricht für einen Treffpunkt in der Schule. Wenn es sich anbietet, können z. B. auch Stadtbüchereien prima Vorleseorte sein, da sich die Book Buddies hier gleich neuen Lesestoff besorgen können.

3. Teilnehmer:

Die Vorleserinnen und Vorleser sollten im dritten oder vierten Schuljahr sein, die Zuhörerinnen und Zuhörer am besten künftige Erstklässler. Bei Drittklässlern besteht zudem der Vorteil, dass sie ihre ehemaligen Bücherkumpels in deren ersten Schuljahr noch als Schulpaten unterstützen und ihnen die Umstellung erleichtern können.

4. Wie oft treffen sich die Book Buddies:

Es bietet sich an, die Treffen zu einem festen Zeitpunkt und Tag einmal pro Woche, alle zwei Wochen oder einmal pro Monat stattfinden zu lassen.

5. Eltern informieren:

Bevor es losgeht können Sie die Eltern im Rahmen eines Elternabends und eines Elternbriefs über das Projekt, die Ziele, Veranstaltungsort und -zeit informieren. Die Eltern dürfen ihre Kinder gern bei der Auswahl der Bücher unterstützen und als Zuhörer für Vorleseproben bereitstehen.

6. Kinder für das Projekt begeistern:

Für die Kindergartenkinder ist das Projekt neu, aufregend und wird deshalb schnell begeistert angenommen.
Für Schulkinder, die noch weniger geübt im Lesen sind, ist es aber auch eine Herausforderung. Nachdem Sie das Projekt vorgestellt haben, können Sie Ihren Schülerinnen und Schülern beispielsweise in einem Gesprächskreis die Möglichkeit geben, Fragen oder auch Vorbehalte zu äussern und versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden.

Vielleicht möchten sich die leseschwächeren Kinder zunächst zusammentun und „ihren“ Bücherkumpels gemeinsam vorlesen – so müssen erstmal nur kleinere Passagen geübt werden. Jede Steigerung – und die kommt durch das Training bestimmt – ist dann ein grosser Erfolg und gut fürs Selbstbewusstsein der Kinder!

rechts: Frau laminiert, links Junge auf Pedalo

7. Wer wird mein Book Buddy:

Gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Kindergarten können Sie die Kinder einander zuteilen. Idealerweise liest ein Schüler bzw. eine Schülerin einem Kind vor. Bei einer Überzahl an Kindergartenkindern kann ein Schüler bzw. eine Schülerin auch zwei Kindern vorlesen. Gibt es mehr Schülerinnen und Schüler, wechseln sich die Vorleserinnen und Vorleser immer wieder ab. Da Sie Ihre Schützlinge schon ein bisschen kennen, können Sie gemeinsam nach Paaren suchen, die gut harmonieren könnten.

8. Bücher:

Wenn es an Ihrer Schule eine Schulbücherei, Leseecke oder Büchertauschregal gibt, ist das eine prima Bezugsquelle für neuen Vorlesestoff. Ansonsten bietet sich auch der Besuch der Stadtbücherei an, wo sich die Kinder einen in der Regel kostenlosen Ausweis geben lassen können. Den ersten Besuch können Sie vielleicht gemeinsam mit Ihren Schülerinnen und Schülern unternehmen.
Manchmal stellen Büchereien Bücherkisten mit einer altersgerechten Vorauswahl zur Verfügung. Auch die eigenen Bücherregale dürfen die Kinder natürlich durchstöbern.

9. Zuhause üben:

Das Vorlesen muss geübt werden: Die Kinder sollten sich ihren Text deshalb zuhause mehrmals durch- und vorlesen.

10. Vorbereitung in der Schule:

Sie sollten eine Schulstunde zur Vorbereitung jedes Book Buddy-Treffens reservieren. In dieser Zeit können Sie sich die Bücherauswahl der Kinder ansehen und mit ihnen darüber sprechen, ob die Bücher altersgerecht sind und der Text in der zur Verfügung stehenden Zeit vorgelesen werden kann. Vielleicht erinnern sich die Schülerinnen und Schüler ja noch an die eigenen Lieblingsbücher aus ihrer Kindergartenzeit. Mit Ihrer Hilfe können die Kinder evtl. noch offene Fragen zu vorkommenden Begriffen oder Inhalten klären.

Lesendes Mädchen
Damit es auch für die Vorleser ein tolles Ereignis wird, werden vorab die passende Bücherauswahl und alle offenen Fragen geklärt, Quelle: Betzold

11. Ablauf eines Book Buddy-Treffens:

Zu Beginn schaut jeder, ob sein Bücherkumpel anwesend ist. Falls jemand krank sein sollte, wird schnell ein Ersatzpartner gesucht. Nun sucht sich jede Lesegruppe noch ein gutes Plätzchen und dann kann’s losgehen. Feste Plätze haben den Vorteil, dass keine Vorlesezeit für die Suche verloren geht.

Die Schülerinnen und Schüler können zunächst etwas zu dem Buch erzählen und warum sie es ausgesucht haben. Wird nicht von Beginn an gelesen, können sie die Ereignisse bis dahin zusammenfassen. Um nicht zu lange am Stück vorlesen zu müssen, können die Kinder dazwischen z.B. über Bilder im Buch sprechen oder sich über das bisher Gelesene austauschen. Insgesamt kann diese Phase etwa 20 bis 25 Minuten dauern. Die restliche Zeit kann mit Malen, Spielen und Erzählen zum Buch ausklingen.

Book Buddies: Vorteile für alle Beteiligten

Die Kindergartenkinder

    • bekommen altersgerechte Geschichten vorgelesen
    • profitieren von den in Studien belegten Vorteilen des Vorlesens wie der Erweiterung des Wortschatzes und der Sprachförderung
    • kommen in Kontakt zur Welt der Bücher und beginnen selbst nach interessanten Büchern zu suchen
    • werden durch die fast gleichaltrigen Vorleser zum Nacheifern motiviert
    • freuen sich auf die Schule und das Lesen lernen
    • gewinnen neue Freunde, die ihnen auch die erste Zeit an der Schule erleichtern
    • lernen zuzuhören und mit der Erwartung umzugehen, dass sie während der Vorlesezeit ruhig und konzentriert bleiben sollen – die Empörung der jungen Vorleser über Störungen bewirkt oft mehr als Ermahnungen von Erwachsenen ;-)

Die Grundschülerinnen und Grundschüler

    • verbessern durch das Vorlesen ihre Lesekompetenz
    • gewinnen neue Motivation zum Lesen und suchen begeistert nach geeigneten Buchtiteln
    • üben Gelesenes zusammenzufassen, zu reflektieren und darüber zu sprechen
    • können Texte mit der Zeit schneller und besser verstehen
    • lernen passende, altersgerechte Geschichten auszuwählen
    • lernen, auf ihr „Publikum“, z.B. durch das Erklären von für die Kleineren noch unbekannten Begriffen, einzugehen
    • übernehmen für die Jüngeren eine Vorbildfunktion
    • gewinnen durch das Vorlesen Selbstvertrauen
    • knüpfen neue Freundschaften

Für die Primarschulen und Kindergärten bewirkt das Book Buddy-Projekt

    • eine positive Möglichkeit der Gestaltung des Übergangs vom Kindergarten zur Schule
    • das gegenseitige Kennenlernen der Einrichtungen
    • einen fachlichen Austausch zwischen Erzieherinnen bzw. Erziehern und Lehrerinnen bzw. Lehrern
    • eine Stärkung der Kooperation und Durchlässigkeit zwischen Kindergarten und Schule
    • ein Wiedersehen mit ehemaligen Kindergartenkindern bzw. ein Kennenlernen künftiger Schüler
    • durch die schrittweise Steigerung der Lesekompetenz eine Verbesserung der allgemeinen Leistungen der Schüler
    • motivierte Erstklässler, die sich aufs Lesen lernen freuen und sich bereits im Zuhören geübt haben :)

Auch Hunde und Tierheimkatzen nehmen immer häufiger die Rolle von Leselernhelfern ein. Wie das funktioniert, erfahren Sie in unserem Beitrag:

Hund liegt neben Büchern
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Leseförderung mit Hund: Leselernhelfer auf vier Pfoten - Tiere können Schülern helfen, ihre Lesekompetenz zu verbessern
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Bettina Kroker
Online-Redakteurin
Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: