Mensch schreibt
Referendariat
Tipps fürs Ref
Aktualisiert: 25.10.2022

Hospitieren bei Kolleginnen und Kollegen

Während des Praxissemesters und des Referendariats verbringen angehende Lehrerinnen und Lehrer einige Zeit in den hinteren Reihen von Klassenzimmern und lauschen dem Unterricht der schon im Beruf stehenden Kolleginnen und Kollegen. Hospitieren ist angesagt :)
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin
© peshkov  / Fotolia.com  

Die Hospitationsphase

Beim Hospitieren sollen erste Eindrücke gewonnen werden, wie es aussehen kann, wenn das theoretische Wissen, das sich über die Semester angesammelt hat, in die Praxis umgesetzt wird.

Beobachten, strukturiert notieren, auswerten und die an den Unterricht anschliessende Nachbesprechung sind wesentliche Bestandteile.

Ziel ist es, sich von den Erfahrenen das ein oder andere abzuschauen, eine neue Perspektive kennenlernen, sich Anregungen zu holen oder zu überlegen, wie man es selbst anders machen möchte. Die Hospitationsphase gibt den letzten Schliff, bevor der eigene grosse Auftritt ansteht.

Werden Sie nicht zum passiven Gast!

Dort hinten in der Abgeschiedenheit kann es aber schon mal passieren, dass man in die Rolle des passiven Gasts verfällt und wie die Schülerinnen und Schüler den Unterricht konsumiert – nur, dass man das Thema schon zu Genüge kennt. Langeweile hallo …

Dabei hatte man sich im Vorfeld doch vorgenommen, auf alles zu achten und übersichtlich zu notieren. Warum fällt das manchmal so schwer?

Das „alles“ ist dabei häufig das Problem: Es ist extrem schwierig, gleichzeitig im Blick zu haben, wie die Gestik, die Bewegung im Raum, Formulierungen, Reaktionen auf Schülermeldungen oder Unterrichtsstörungen gehandhabt werden. Schnell werden die Aufschriebe unübersichtlich und vieles, das man beachten wollte, zieht unbemerkt vorbei.

Am Ende bleiben dann nur allgemeine Eindrücke wie „Alles hat gut funktioniert“, „Die Schüler haben mitgemacht“ oder „Das könnte ich so auch (oder nicht?)“.

Das Blöde ist nur: In manchen Bundesländern ist die Hospitationsphase kurz (oder entfällt sogar komplett) und schon muss man selbst vor der Klasse stehen.

Hospitieren mit Mehrwert

Hilfe bringt hier ein gut vorbereiteter Beobachtungsbogen: Statt zu versuchen, auf „alles“ zu achten, notieren Sie sich bereits vorab, welche Kriterien Ihnen wichtig sind und legen Ihr Hauptaugenmerk auf diese Punkte.

So sammeln Sie konkrete Beobachtungen, aus denen Sie Anregungen, Kniffe und Handlungsoptionen ableiten und für sich nutzen können.

Haben Sie die Möglichkeit, den Kolleginnen und Kollegen häufig über die Schulter zu sehen, ist das von Vorteil: So können Sie es sich erlauben, sich pro Stunde auf nur einen oder wenige Gesichtspunkte zu fokussieren und Ihre Beobachtungen in aller Ruhe zu notieren.

Tipp

Wenn Sie eine Mentorin bzw. einen Mentor haben, werden Sie öfter bei ihr bzw. ihm in den Unterricht hineinschnuppern dürfen. Um auch andere Unterrichtsstile und Lehrertypen kennenzulernen, ist es aber sinnvoll, auch bei anderen vorbeizuschauen.
Ihre Mentorin oder Ihr Mentor weiss bestimmt, wer aus dem Kollegium dafür offen ist.

Wenn Sie hospitieren möchten:

    • rechtzeitig anfragen, so können Sie Ihre Hospitationsstunden planen und die Kolleginnen und Kollegen können sich auf Sie einstellen
    • am besten persönlich anfragen
    • sprechen Sie Ihre Beobachtungsschwerpunkte ab
    • bieten Sie Ihre Unterstützung an (z. B. bei der Betreuung von Gruppenarbeitsphasen …)
    • bei der Nachbesprechung lieber Fragen stellen, statt zu bewerten (positive Eindrücke nehmen die meisten allerdings gern an ;-) )
    • wertschätzen, dass man am Unterricht teilnehmen darf (auch – oder gerade – für erfahrene Kolleginnen und Kollegen ist es nicht immer einfach, sich dieser Beobachtungssituation auszusetzen. Ausserdem bringt eine durchdachte Nachbesprechung einen Zeit- und Arbeitsaufwand mit sich)

Tipps für einen gelungenen Beobachtungsbogen

    1. Beobachtungsgegenstand definieren:

      Überlegen Sie sich zunächst, welche Kriterien Sie unter die Lupe nehmen möchten. Lassen sich einige Punkte unter einem Oberbegriff zusammenfassen, bilden Sie daraus eine Kategorie bzw. den Beobachtungsgegenstand.
      Diesem ordnen Sie wiederum Unterpunkte zu, die die verschiedenen Teilbereiche der Kategorie näher erklären und beleuchten.

    2. Ausprägung notieren:

      Die Ausprägung mancher Beobachtungskriterien kann ganz konkret in Zahlen ausgedrückt werden, z. B. wie oft wurde gelobt, kamen Medien zum Einsatz …
      Bei Anderem lassen Sie hier Ihren Eindruck einfliessen: War der Punkt sehr deutlich ausgeprägt, durchschnittlich oder nur schwach bzw. nicht zu erkennen?

    3. Differenzieren:

      Noch konkreter (und damit besser auszuwerten) wird es, wenn Sie zwischen dem, was Sie sehen und hören, also Ihrer sinnlichen Wahrnehmung, der Wirkung auf Sie sowie Ihrer Deutung unterscheiden.

      So können Sie überprüfbare und subjektive Eindrücke besser trennen. Bei der Nachbesprechung können Sie Ihre Beobachtungen, Eindrücke und Interpretationen mit denen Ihrer Kollegin bzw. Ihres Kollegen abgleichen. Möglicherweise gewinnen Sie dadurch eine neue Perspektive auf Ihre Beobachtungen.

    4. Übersichtlich gestalten:

      Die Anordnung in Form einer Tabelle gewährleistet eine übersichtliche Darstellung Ihres Beobachtungsbogens. Senkrecht können Sie Ihre Kategorien mit den Unterpunkten notieren, waagrecht die Felder für die Angaben zur Ausprägung, Wahrnehmung, Wirkung und Deutung.
      Je nach Beobachtungsgenstand kann natürlich auch eine andere Anordnung sinnvoll sein.

Interessante Beobachtungsschwerpunkte

Welche Aspekte bieten sich nun als sinnvolle Beobachtungsgegenstände an?

Lehrerin sitzt an Lehrerpult
Mit interessanten Beobachtungsschwerpunkten können beim Hospitieren hilfreiche Schlüsse für den eigenen Unterricht gezogen werden, © Fotolia.com / drubig photo
    • Lehrerpersönlichkeit/Interaktion mit den Schülerinnen und Schülern:

      Zu Beginn des Lehrerdaseins ist es sicher interessant, zu sehen, wie andere Lehrerinnen und Lehrer auftreten und welche Wirkung sie damit erzielen. Als Unterpunkte eignen sich Verhaltensweisen wie Körpersprache (Gestik, Mimik, Blickkontakt, Haltung offen oder distanziert), Sprechtempo oder die Bewegung im Klassenraum.

      Wie und wie häufig werden Fragen gestellt, Impulse und Arbeitsaufträge gegeben, gelobt und getadelt? Wie wird auf Störungen reagiert? Wie hoch ist der Redeanteil des Lehrers/der Lehrerin bzw. der Schülerinnen und Schüler? Wie kann der Stil der Klassenführung charakterisiert werden?

    • Unterrichtsverlauf:

      Wie ist die Stunde aufgebaut?
      Wie wird die Stunde eröffnet? Gibt es Anknüpfungspunkte an den Stoff der letzten Stunde? Wie verläuft die Hausaufgabenkontrolle? Wie wird das Thema der Stunde eingeführt? Welche Lernziele/Teilziele gibt es? Wie werden sie erarbeitet? Wie werden die Unterrichtsschritte aufeinander bezogen? Ist ein „roter Faden“ erkennbar? Wie wird die Stunde beendet?

    • Schülerbeobachtung:

      Das Hospitieren bietet Ihnen die ideale Chance, Ihre Aufmerksamkeit auf kleinere Schülergruppen zu lenken: Wie reagieren Sie auf die verschiedenen Aktionen des Lehrenden? Was löst Unterrichtsstörungen aus? Wer meldet sich in welchen Situationen oft, wer ist wann ruhig, gelangweilt oder aufmerksam?
      Müssen Sie erst mal selbst unterrichten, ist es kaum mehr möglich, Schülerreaktionen so genau zu beobachten und daraus Schlüsse für den eigenen Unterricht zu ziehen.

    • Medieneinsatz:

      Welche Medien (von Tafel bis interaktivem Whiteboard) kommen zum Einsatz? Ist der Einsatz anschaulich und themenbezogen? Wie häufig werden sie genutzt? Wie hoch ist der Zeitbedarf? Wie reagieren die Schüler auf den Einsatz?

    • Sozialformen und Methoden:

      Welche kommen zum Einsatz? Wie wird der Wechsel gestaltet? Passen sie zum Inhalt des Unterrichts und sind sie auf die Lerngruppen abgestimmt?

    • Unterrichtsstruktur:

      Gibt es feste Rituale (Stundenbeginn, -ende, Wechsel der Sozialformen)? Wie stellt sich der Umgang mit den Hausaufgaben dar? Wie werden die im Unterricht erarbeiteten Ergebnisse gesichert?

Weiterführende Links

Das Könnte Sie auch interessieren
Rückblick: Digitaler Bildungskongress für angehende Lehrkräfte (25.04.2026)
Referendariat
Ankündigung: Digitaler Bildungkongress 2026
Bettina Kroker | 14.05.2026
Rückblick: Digitaler Bildungskongress für angehende Lehrkräfte (25.04.2026)
Am 25.04.2026 drehte sich beim digitalen Bildungskongress von Betzold und Fit4Ref zum dritten Mal alles um den Start in den Lehrerberuf. Sie haben den Bildungskongress verpasst? Kein Problem! Hier finden Sie die Vorträge und Präsentationen.
Weiterlesen
Den eigenen Unterricht reflektieren: Reflexionsmethoden für den Unterrichtsbesuch
Tipps fürs Ref
Erkärender Lehrer
Bettina Kroker | 26.02.2026
Den eigenen Unterricht reflektieren: Reflexionsmethoden für den Unterrichtsbesuch
Der Unterrichtsbesuch ist vorbei, aber nun wartet noch die Nachbesprechung auf Sie. Und schon startet das Gedankenkarussell: War der Einstieg klar? Habe ich zu viel erklärt? Warum hat Aufgabe 3 nicht funktioniert? In diesem Beitrag finden Sie 5 Reflexionsmethoden für den Unterrichtsbesuch, die sich realistisch in Ihren Referendariatsalltag integrieren lassen.
Weiterlesen
Der Unterrichtsbesuch im Referendariat: Tipps, Ablauf und häufige Fehler
Tipps fürs Ref
Lehrerwerden
Lehrer unterrichtet vor Klasse
Bettina Kroker | 08.01.2026
Der Unterrichtsbesuch im Referendariat: Tipps, Ablauf und häufige Fehler
Unterrichtsbesuche (UB) sind ein ebenso fester wie mit Stress verbundener Teil des Referendariats. Aber wie so oft gilt: Gut vorbereitet, ist alles halb so schlimm! Und: Mit jedem Besuch wird es ein Stück leichter. Hier haben wir Tipps vorbereitet, eine Checkliste für den Unterrichtsbesuch und schauen, welche typischen Fehler Sie wie vermeiden können.
Weiterlesen
Rückblick: Digitaler Bildungskongress für angehende Lehrkräfte (29.03.2025)
Referendariat
Digitaler Bildungskongress 2025
Bettina Kroker | 24.04.2025
Rückblick: Digitaler Bildungskongress für angehende Lehrkräfte (29.03.2025)
Am 29.03.2025 drehte sich beim digitalen Bildungskongress von Betzold und Fit4Ref zum zweiten Mal alles um den Start in den Lehrerberuf. Mit Themen wie Visualisierung, Warm-Ups, Zeitmanagement oder Fragen zur Verbeamtung war für alle etwas Spannendes dabei! Sie haben den Bildungskongress verpasst? Kein Problem! Hier finden Sie einige der Vorträge und Präsentationen.
Weiterlesen
Mehr als nur „Bis morgen!“: 10 Ideen für einen kreativen Unterrichtsabschluss
Motivation
Tipps fürs Ref
Schüler rennen aus Schule
Bettina Kroker | 27.03.2025
Mehr als nur „Bis morgen!“: 10 Ideen für einen kreativen Unterrichtsabschluss
Hier stellen wir Ihnen 10 Ideen mit Beispielen für die Primarschule und weiterführende Schulen für einen guten Unterrichtsabschluss vor.
Weiterlesen
Wie schreibt man einen guten Unterrichtsentwurf? Tipps für Referendarinnen und Referendare
Lehrerwerden
Tipps fürs Ref
Frau an Laptop
Bettina Kroker | 05.12.2024
Wie schreibt man einen guten Unterrichtsentwurf? Tipps für Referendarinnen und Referendare
Dieser Beitrag soll Ihnen helfen, einen guten Unterrichtsentwurf zu schreiben. Wir gehen Schritt für Schritt durch die Gliederung eines gelungenen Entwurfs und geben praxisnahe Tipps, damit Sie sich beim Planen Ihrer Stunden sicherer fühlen.
Weiterlesen
Die besten Quellen für digitale Unterrichtsmaterialien, Infos und Inspiration
Lehrerhilfsmittel
Fortbildung
Referendariat
Lehramtsstudium
Tipps fürs Ref
Betzold Pinterest-Kanal
Bettina Kroker | 03.09.2024
Die besten Quellen für digitale Unterrichtsmaterialien, Infos und Inspiration
Den Betzold-Blog erreichen immer wieder Anfragen von Lehrerinnen und Lehrern, die häufig erst kürzlich in den Beruf gestartet sind. Es geht um Fragen wie „Welche Literatur gibt es zu diesem Thema?“, „Wo finde ich Materialien/Ideen/Infos?“, „Wie vernetze ich mich?“ Anlass genug, um einmal die vielversprechendsten Quellen dafür zusammenzutragen :)
Weiterlesen
Unterrichtseinstiege - Tipps für einen guten Start
Referendariat
Motivation
Tipps fürs Ref
Lehrerin sitzt an Lehrerpult
Bettina Kroker | 09.07.2024
Unterrichtseinstiege - Tipps für einen guten Start
Ein gelungener Unterrichtseinstieg kann den Ton für die kommende Stunde setzen und dazu beitragen, das Interesse und die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler zu wecken. Um bei Bedarf auf ein reiches Repertoire an Möglichkeiten zurückgreifen zu können, stellen wir im Folgenden Beispiele für verschiedene Methoden und Ideen zum Einstieg in eine neue Stunde vor.
Weiterlesen
Kein unnötiger Stress im Referendariat
Referendariat
Entspannung
Zeitmanagement
Selfcare
Tasse mit Aufschrift Pause
Bettina Kroker | 02.04.2024
Kein unnötiger Stress im Referendariat
Im Referendariat warten eine Vielzahl an neuen Aufgaben und Erfahrungen auf Sie. Auf der einen Seite natürlich schön, spannend und erfüllend, andererseits kann das zumindest zeitweise auch anstrengend und kräftezehrend sein. Stress kann im Referendariat zum Problem. Damit das bei Ihnen nicht der Fall ist, haben wir hier Tipps, mit denen Sie das Stresslevel gering halten können.
Weiterlesen
Gut geplant ist halb gewonnen: Tipps für eine effektive Unterrichtsvorbereitung
Zeitmanagement
Referendariat
Tipps fürs Ref
Lehrer schreibt in Schulplaner
Bettina Kroker | 14.03.2024
Gut geplant ist halb gewonnen: Tipps für eine effektive Unterrichtsvorbereitung
In diesem Beitrag möchten wir Ihnen Tipps und Strategien an die Hand geben, wie Sie Ihre Unterrichtsvorbereitung optimieren können und einen erfolgreichen Start ins Lehrerleben schaffen.
Weiterlesen
Referendariat: Bingo für lange Seminartage
Bingo
Referendariat
Selfcare
Bingo fürs Referendariat
Bettina Kroker | 27.02.2024
Referendariat: Bingo für lange Seminartage
Während eines langen Seminartags, der auf anstrengende Schultage folgt, noch durchgehend (oder zumindest halbwegs) konzentriert zu bleiben, ist nicht immer einfach. Eine gute Strategie bietet das bei Lehrerkonferenzen oder für Elternabende schon bewährte Bullshit-Bingo, das sich mit den passenden Begriffen auch prima für lange Seminartage eignet.
Weiterlesen
Anfängerfehler im Referendariat vermeiden
Lehrer-Knigge
Referendariat
Tipps fürs Ref
Lehrerin steht vor Tafel
Bettina Kroker | 30.01.2024
Anfängerfehler im Referendariat vermeiden
Referendarinnen und Referendare starten mit viel theoretischem Wissen in den Lehrerberuf. Dass in der Praxis nicht alles sofort klappt, ist normal. Aus anfänglichen Fehlern können Sie wertvolle Erfahrungen gewinnen. Einige Stolpersteine lassen sich jedoch vermeiden: Im folgenden Beitrag zeigen wir zehn häufige Anfängerfehler im Referendariat und geben praxisnahe Tipps.
Weiterlesen

Wer schreibt hier?

Bettina Kroker
Online-Redakteurin
Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: