Kinder sitzen am Beckenrand eines Schwimmbads
Alltag
Veröffentlichung: 09.03.2026

Wassergewöhnung für Kinder

Wasser übt schon auf die kleinsten Kinder eine ganz besondere Faszination aus. Pfützen, Wasserhähne, Wassertische oder ein Wasserbecher: Das kühle Nass lädt einfach dazu ein, es mit allen Sinnen zu erforschen. Aber wie gelingt die sichere und bedürfnisorientierte Gewöhnung an das Wasser? Diese Frage beantwortet der Gastbeitrag von Christine Häberle mit spannenden Einblicken aus der Praxis.
Christine Häberle
Christine Häberle
Gastautorin

Wann ist der richtige Zeitpunkt mit dem Schwimmenlernen zu beginnen?

Diese Frage stellen sich viele Eltern. Häufig hört man die Antwort: „Spätestens bis zum Schuleintritt sollte mein Kind schwimmen können.“ Dieser Anspruch betrifft nicht nur Familien, sondern zunehmend auch den Kindergartenalltag und damit pädagogische Einrichtungen. Doch um diese Frage wirklich beantworten zu können, muss man sich bewusst machen: Das Schwimmenlernen ist weitaus komplexer, als viele vermuten.

Schwimmen lernen bedeutet, sich in einem völlig anderen Element sicher bewegen zu können. Dabei geht es nicht nur um das Erlernen von Techniken, sondern vor allem um Sicherheit, Selbstvertrauen und ein positives Gefühl im Wasser.

Jeder Wasserkontakt ist ein wichtiger Baustein

Jede Begegnung mit dem Element Wasser ist daher ein Schritt auf dem Weg zum sicheren Schwimmen. Umso früher Kinder an das Wasser, mit seinen besonderen Eigenschaften, „gewöhnt werden“, umso leichter fällt das Schwimmenlernen. 

Was bedeutet Wassergewöhnung eigentlich?

Wassergewöhnung heisst, die Eigenschaften des Wassers bewusst zu erleben und zu verstehen. Denn Wasser ist „anders“ als Luft:

  • Es ist nass.
  • Es kann kalt sein.
  • Es spritzt.
  • Unter Wasser kann ich nur schwer die Augen öffnen.
  • Ich kann unter Wasser nicht atmen.
  • Meine Balance fühlt sich anders an.
  • Ich bin langsamer als an Land.
  • Und gleichzeitig trägt mich das Wasser.

In nachfolgender Abbildung wird der Schwimmlernprozess mit einem Hausbau verglichen. Der Start eines Hausbaus beginnt mit der Baugrube „der Wassergewöhnung“. Danach folgt das Fundament mit seinen Mauern. Nur wenn dies stabil steht, wird das Kind zum sicheren Schwimmer.  

Erst wenn die Mauern stehen und das Fundament betoniert ist, kann das Dach gedeckt werden.

Schwimmenlernen Metapher Hausbau
Quelle: Häberle, C.; Wendel, U.: Erlebnisreiche Wasserwelt. Mit Begeisterung schwimmen lernen. Neuer Sportverlag Waiblingen 2025.

Wie lässt sich die Wassergewöhnung in den Kindergartenalltag integrieren? Muss ich hierfür mit den Kindern ins Hallenbad?

Die Antwort lautet: Ja und nein.

Wassererfahrungen im Alltag – auch ohne Hallenbad

Für die wichtige Grundlage – das „Fundament“ der Wassergewöhnung – muss es nicht zwingend der Besuch im Hallenbad sein. Viele elementare Erfahrungen mit Wasser lassen sich in den Kita-Alltag integrieren. Bereits im Waschraum oder im Garten entstehen wertvolle Momente:

Kinder können Wasser fliessen lassen, Temperaturunterschiede spüren, mit den Händen schöpfen, spritzen oder erste Atemübungen ausprobieren. Auch das bewusste Wahrnehmen von „nass“ und „trocken“ gehört dazu.

Praxistipp Waschraum - Wir bauen ein Aquarium

Wir füllen ein Waschbecken, eine grosse Schüssel oder eine durchsichtige Kiste mit Wasser. Anschliessend verstecken wir kleine bunte Muggelsteine oder andere wasserfeste Gegenstände darin.

Könnt ihr die bunten Fische im Wasser sehen? Die Kinder legen das Gesicht ins Wasser und blubbern den Fischen zu. Welche Farben seht ihr? Dazu öffnen die Kinder die Augen unter Wasser. Was kann noch ins Aquarium? 

Praxistipp Garten – Das Wasserkonzert

Wasser klingt – und Kinder lieben es, Geräusche zu entdecken und selbst zu erzeugen.

  • Beim „Wasserkonzert“ wird der Garten zur Klangwerkstatt.
  • Wir stellen verschiedene Gefässe mit Wasser bereit: Schüsseln, Eimer, Planschbecken, Giesskannen, einen Gartenschlauch.
  • Je unterschiedlicher die Materialien und Wassermengen, desto vielfältiger die Geräusche.
  • „Welche Geräusche könnt ihr mit dem Wasser erzeugen?“
  • Mit den Händen aufs Wasser patschen, Wasser hochwerfen und wieder auffangen, mit den Füssen strampeln, durch das Planschbecken laufen, mit einer Giesskanne Wasser plätschern lassen, durch den Wasserstrahl des Gartenschlauchs laufen, Tropfen von hoch nach tief fallen lassen. Die Kreativität kennt hier keine Grenzen.

Ein Besuch im Hallenbad

Ein Besuch mit Kindergartenkindern im Hallenbad ist eine wundervolle Ergänzung zur Wassergewöhnung in der Kindertageseinrichtung. Dort erleben die Kinder das Element Wasser intensiver und ganzheitlicher.

Gleichzeitig bringt ein Hallenbadbesuch viele organisatorische Fragen mit sich:

  • Wer darf mit den Kindern schwimmen gehen?
  • Welches Bad eignet sich für unsere Gruppe?
  • Wie organisieren wir den Transport?
  • Benötigt die pädagogische Fachkraft eine besondere Qualifikation?
  • Für welche Altersgruppe ist ein Schwimmbadbesuch sinnvoll?
  • Wie stellen wir die Aufsichtspflicht sicher?

Gerade die personelle Situation stellt viele Einrichtungen vor Herausforderungen. Kleine Gruppen, ausreichend Aufsichtspersonen und klare Sicherheitsstrukturen sind unerlässlich.

Info

Personelle Unterstützung durch Kooperationsprojekte

Um Kindertageseinrichtungen hier zu entlasten, wurde vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg ein Projekt ins Leben gerufen. Im Rahmen von „SchwimmFidel – ab ins Wasser!“ können Kitas in Kooperation mit einem örtlichen Schwimmverein oder der DLRG personelle Unterstützung für gemeinsame Schwimmbadbesuche erhalten. Ziel ist es, Kinder frühzeitig und sicher an das Wasser heranzuführen und Einrichtungen organisatorisch zu stärken. Nähere Informationen dazu gibt es unter: www.schwimmfidel.de/de/kindertageseinrichtungen

Praxistipp Hallenbad – Bewegungsspiel „Die Schlange auf Futtersuche“

Dieses Bewegungsspiel verbindet Wassergewöhnung mit Koordination, Orientierung und jeder Menge Spass. Alle Kinder halten sich an einem Seil oder an Schwimmnudeln fest. So entsteht eine lange „Schlange“. Die Kursleitung steht vorne und begleitet das Spiel erzählerisch.

„Die Schlange hat grossen Hunger und schlängelt sich vorsichtig durch das hohe Gebüsch. Sie sucht nach etwas Leckerem …“

Gemeinsam bewegt sich die Gruppe durch das Wasser – mal schnell, mal langsam, mal hüpfend oder ganz vorsichtig schleichend.

Die Kinder spüren dabei:

  • den Widerstand des Wassers
  • die gemeinsame Bewegung als Gruppe
  • das Anpassen an unterschiedliche Geschwindigkeiten

Plötzlich taucht ein Tier auf! „Oh Schreck! Die Schlange erschrickt!“

Die Schlange wechselt abrupt die Richtung. Alle Kinder greifen zügig um und bewegen sich gemeinsam in die entgegengesetzte Richtung. Der bisherige Schlangenkopf wird zum Schlangenschwanz – und umgekehrt.

Fazit

Wassergewöhnung ist der entscheidende erste Schritt auf dem Weg zu sicheren Schwimmern – und sie lässt sich in den Kindergartenalltag integrieren. Schon kleine, spielerische Erfahrungen im Waschraum, Garten oder bei Hallenbadbesuchen helfen das Fundament stabil zu bauen. 

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Wer schreibt hier?

Christine Häberle ist Diplom-Sportwissenschaftlerin mit langjähriger Erfahrung im Anfängerschwimmen mit unterschiedlichen Zielgruppen – vom Baby bis zum Erwachsenen. Als Referentin beim Schwimmverband Württemberg ist sie in der Aus- und Fortbildung tätig. Hier finden Sie alle Bildungsangebote des SVW