3. Sicherung und Erweiterung der Lerninhalte durch die Arbeit am Wortspeicher
Ein Wortspeicher ist eine im Klassenzimmer visualisierte und fest verankerte Sammlung der aktuellen Wörter zu einem bestimmten Thema. Wortspeicher lassen sich für alle Unterrichtsfächer anlegen.
Die Einbindung und der Gebrauch von Wortspeichern bringen für Ihren Unterrichtsalltag zahlreiche Vorteile: Neben der Orientierung und Struktur, die unsere Schülerinnen und Schüler erfahren, geben Wortspeicher gleichermassen eine gewisse Sicherheit beim Sprachenlernen (falls einmal die „Worte fehlen“ sollten). Zudem können durch Wortspeicher alle DaZ-Lernerinnen und DaZ-Lerner auf dem individuellen Sprachlevel „abgeholt“ werden, da Differenzierungsmassnahmen vorgenommen werden können (bebildert, mit Symbolen versehen, die Anzahl der Wörter usw.).
So kann mit einem Wortspeicher gearbeitet/erarbeitet werden:
- In der Erarbeitungsphase kann der Speicher gemeinsam (auch mehrsprachig) erstellt werden. So können Sie mit Ihrer Klasse/Gruppe zusammen die Wort-Bild-Karten anbringen und das Wort auf den Muttersprachen Ihrer Kinder und Jugendlichen ergänzen (Mehrsprachigkeit als Gewinn)
- Zudem kann er um neue Wörter passend zum Thema erweitert werden, sodass damit gearbeitet werden kann. Zum Beispiel diktieren sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig Wörter, die Kontrolle kann durch einen Blick auf den Wortspeicher erfolgen.
- Denkbar wäre auch eine mündliche Abfrage der Wörter bzw. der Artikel.
- Gleichermassen wäre es möglich, dass Sie die Wörter abhängen und nur die Bilder hängen lassen. Die Schülerinnen und Schüler nennen (oder notieren) die Wörter mit dem richtigen Artikel, ordnen die Wörter nach dem ABC, konjugieren die Verben und steigern die Adjektive.
Mit ein bisschen Kreativität kann mit dem Wortspeicher ziemlich lange und intensiv „ge- und erarbeitet“ werden.
4. Mündlicher Austausch/mündliche Erarbeitung im Kugellager
Die Kugellager-Methode dient dem freien Sprechen und schult das aktive Zuhören.
Die Schülerinnen und Schüler verteilen sich im Klassenraum und bilden zwei Kreise – einen Kreis innen und einen Aussenkreis. Es stehen sich also immer zwei Kinder gegenüber.
Beim ersten Durchgang wird die Phase der Kreisbildung vermutlich noch viel Zeit in Anspruch nehmen, je öfter man diese Methode allerdings durchführt, desto schneller bilden sich die Kreise. Es bedarf also einer Methoden-Einführung und -festigung im Klassenverband.
Nun geben Sie als Lehrperson ein Gesprächsthema/einen Impuls/eine Frage zum aktuellen Unterrichtsstoff vor, worüber sich die SuS mündlich austauschen.
Nach ein paar Minuten (die Dauer jeder Runde ist sehr individuell und von Lerngruppe zu Lerngruppe unterschiedlich – Sie kennen Ihre SuS am besten und entscheiden daher, wie lange eine Runde gehen soll) ertönt ein akustisches Signal und der Aussenkreis „wandert“ eine Position im Uhrzeigersinn weiter. Nun geben Sie eine neue Frage/einen Impuls vor und der Gedankenaustausch geht nun in die nächste Runde.
Achten Sie darauf, dass Ihre Fragen/Impulse so gestellt sind, dass Ihre Schülerinnen und Schüler diese beantworten können. Es ist gut denkbar, die Kugellager-Methode mit dem aktuellen Wortspeicher zu verknüpfen und diesen als Hilfestellung hinzuzuziehen, wenn die SuS Hilfe in ihren Gesprächsrunden benötigen sollten.
5. Spielerische Phasen zur Förderung der Konzentration
Konzentrationsspiele kommen bei unseren Kindern und Jugendlichen immer gut an, da sie überhaupt nicht merken, dass sie etwas lernen, während sie sich konzentrieren.
Spielerisch verpackte Einheiten zur Konzentrationsförderung sind auch gut als kleine „Energizer“ für Zwischendurch denkbar.
In Ihrer Unterrichtspraxis könnten beispielsweise diese Übungen in Erarbeitungsphasen eingesetzt werden:
-
Leseketten (Fokus: lesen, zuhören und beobachten)
Jeder Lernende bekommt eine Aufgabenkarte.
Diese ist mit zwei Informationen versehen: Oben auf der Karte steht eine Handlung, die der Schüler oder die Schülerin davor durchführt, und unten ist die Handlung, die gemacht werden soll, wenn man selbst an der Reihe ist.
Wenn alle den Inhalt ihrer Karte verstanden haben, beginnt derjenige/diejenige mit der Startkarte und führt die erste Aufgabe aus. Der zweite Lernende schliesst gleich daran an. So auch der dritte, vierte … so lange, bis alle ihre Aufgaben nacheinander erledigt haben. Ziel ist es, alle Handlungen fliessend und ohne grosse Pausen aneinanderzureihen.
Ihre DaZ-Lernerinnen und -lernen müssen dazu genau beobachten, zuhören und lesen – und zwar die Aufgabe des Vorgängers bzw. der Vorgängerin und die eigene Aufgabe.
Tipp 1: Falls Sie sich unter Leseketten überhaupt gar nichts vorstellen können, bietet die Homepage „Wunderwelten Primarschule“ einen schönen Einblick in die Thematik.
Tipp 2: Auf eduki (z. B. von Frau Sonnenglück), Zaubereinmaleins.de (unter Lesespiele/Bildlesespiele) oder 4teachers.de finden Sie Leseketten zu allen möglichen DaZ-Themen, die Sie ausdrucken, laminieren und sofort in Ihrem Unterricht einsetzen können – eine Registrierung ist jedoch notwendig.
-
Merktraining (Fokus: Zuhören und Verschriftlichung von Lerninhalten)
Sie bereiten schriftlich 10 Wörter vor, die Ihre Lernenden bereits kennen. Diese Auswahl an Wörtern wird von Ihnen langsam und mit Pausen (ohne Artikel) vorgelesen. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich alle Wörter merken. Erst nachdem Sie das zehnte Wort ausgesprochen haben, dürfen die Kinder damit beginnen, die Wörter aufzuschreiben. Ob sie die Wörter in der gleichen Reihenfolge wissen müssen, oder ob das reine Erinnern an die Wörter ausreicht, entscheiden Sie selbst.
Die Lernenden sehen im Merken aller Wörter eine Herausforderung. Je öfter man dieses Konzentrationsspiel einsetzt, desto mehr Wörter können sich die Kinder merken. Anfangs sind das vielleicht 4 bis 5 Wörter, dann schaffen sie schon 7 bis 8 Wörter und wollen dann alle 10 erreichen. Erfahrungsgemäss werden unsere SuS vom Ehrgeiz gepackt, da sie Fortschritte bei sich selbst feststellen.
Tipp: Eine schrittweise Erhöhung des Schwierigkeitsgrades könnte hier so aussehen:
- Stufe 1: Sie suchen sich nur Nomen aus.
Im Anschluss an die Übung könnten die Artikel (bestimmte und unbestimmte) und Plural-Formen ergänzt werden.
- Stufe 2: Sie benutzen Nomen und Verben.
Im Anschluss könnten alle Nomen in der gleichen Farbe und alle Verben in der gleichen Farbe markiert werden.
Nomen wieder mit Artikeln und dem Plural ergänzen.
Verben: konjugieren lassen
- Stufe 3: Sie verwenden Nomen, Verben und Adjektive.
Im Anschluss könnten Sie Nomen, Verben und Adjektive farblich markieren lassen.
Nomen: unbestimmten/bestimmten Artikel und Plural dazuschreiben
Verben: konjugieren lassen
Adjektive: Steigerungen vornehmen (womöglich auch auf unregelmässige Steigerungen eingehen und/oder Adjektive einbauen, die nicht steigerbar sind – das wäre aber schon eher etwas für die fortgeschrittenen Sprachenlernenden)
-
Zahlen-Codes
Das Alphabet ist eines der ersten Lerninhalte des DaZ-Unterrichts. Somit eignet sich diese Konzentrationseinheit für alle Lernerinnen und Lerner.
Sie können die Regel in Sekundenschnelle erklären und an der Tafel visualisieren, denn A entspricht der Ziffer 1, B der Ziffer 2, C ist die dritte Ziffer usw. Das geht bis zur Zahl 26 – das wäre dann der Buchstabe Z.
Und so geht es: Sie verpacken Wörter aus dem aktuellen Wortschatz als Zahlencodes, welche von den Schülerinnen und Schülern zu entschlüsseln sind.
Tipp 1: Auch hier kann ohne grossen Aufwand differenziert (und daran weitergearbeitet) werden:
-
- Stufe 1: Sie bieten Ihren Kindern kurze Wörter zum Entschlüsseln an (die Artikel könnten daran anschliessend in der Gruppe oder in Einzelarbeit ergänzt werden).
- Stufe 2: Hier könnten Sie schon etwas längere Wörter einsetzen (und deren Bedeutung im Wörterbuch nachschlagen und den Artikel herausfinden lassen).
- Stufe 3: Sie könnten schon Drei- oder Vierwortsätze versuchen (und z. B. das darin enthaltene Verb konjugieren lassen).
- Stufe 4: Es wäre möglich, ganze Sätze in Form einer Botschaft oder eines Wunsches zu verschlüsseln (z. B. Ich wuensche dir eine schoene Pause
-
Tipp 2: Sie können diesen Energizer auch umkehren und den Schülerinnen und Schülern den Auftrag geben, Wörter/kleine Botschaften für die Mitschülerinnen und Mitschüler auf einem Blatt zu verschlüsseln, das Sie im Anschluss daran einsammeln. Anschliessend könnten Sie pro Stunde ein oder zwei Zahlencodes Ihrer Schülerinnen und Schüler entschlüsseln lassen. Die Kinder freuen sich, wenn ihr Code in den Unterricht integriert wird.