Die Hattie Studie bringt Microteaching wieder ins Gespräch
In Folge der nach wie vor viel diskutierten Hattie-Studie ist Microteaching nun aber wieder in aller Munde.
In dieser Auswertung einer immensen Anzahl englischsprachiger Meta-Studien zum schulischen Lernerfolg in Bezug auf deren Effektstärke, führt John Hattie Microteaching nämlich als einen wirkungsvollen Einflussfaktor auf den Lernerfolg von Schülern auf.
Da für Hattie Lehrerinnen und Lehrer das entscheidende Element für das Gelingen von Lernprozessen sind, ist es nicht überraschend, dass er Lehrerfortbildungen eine grosse Bedeutung beimisst. Seine Auswertung zeigt aber auch: Lehrerfortbildung ist nicht gleich Lehrerfortbildung!
Vorträge, Diskussionen, Exkursionen oder Rollenspiele haben beispielsweise einen geringeren Effekt als praktische Übungen, Video- und Audiofeedbacks und eben Microteaching. Ein bedeutender Faktor ist die Dauer des Trainings: Ein- oder zweitägige Veranstaltungen wirken sich nur wenig auf das Lehrverhalten aus.
Was bedeutet Microteaching?
Micorteaching ist eine spezifische Methode zur Ausbildung von Lehrkräften. Dabei werden kurze Unterrichtsequenzen geplant und vor einer meist kleinen Gruppe von Lernenden (Schüler bzw. Studien- oder Lehrerkolleginnen und -kollegen) erprobt.
Zuvor erfolgt eine Vermittlung von theoretischem Hintergrundwissen, Unterrichtsmethoden und spezifischen Verhaltensweisen entsprechend der Teilfertigkeiten, auf die in der anschliessenden Unterrichtssequenz ein besonderes Augenmerk gelegt werden soll (z. B. positive Verstärkung, Fragetechniken, Moderation von Unterrichtsdiskussionen, Präsentationstechniken, nonverbale Kommunikation …).
Die Methode wurde im Lauf der Zeit immer wieder ergänzt und verändert. Eine der bedeutendsten Erweiterungen stellte die Möglichkeit dar, die Vortragenden zu filmen. Seit Kameras und Funkmikrofone in guter Qualität zu akzeptablen Preisen zu erhalten sind, ist Microteaching in Kombination mit einer Videoanalyse nicht nur für die Forschung, sondern auch für die Lehrerausbildung und -fortbildung interessant geworden.
Im Anschluss an eine Unterrichtseinheit können positive und negative Aspekte des Unterrichts mithilfe der Videoaufzeichnung detailliert besprochen werden. Dadurch sind nicht nur die Ausbilder und die Lerngruppe in der Lage das Lehrverhalten zu beurteilen und ein Feedback zu geben, sondern auch der Vortragende selbst.
Durch Selbstreflexion und die Gruppenbeurteilung kann der Unterricht verbessert, neu geplant und Handlungsalternativen getestet werden.