Was wäre, wenn Sprache nicht nur erklärt, gehört oder gelesen, sondern auch sichtbar gemacht werden könnte?
Genau das mache ich seit vielen Jahren in meinem DaF-Unterricht. Ich arbeite mit einfachen Gesten, Bewegungen und Zeichnungen, die grammatische Strukturen, Aussprache und orthografische Besonderheiten sichtbar machen. Für den Umlaut habe ich dabei eine eigene Geste entwickelt: die bewegten, gebogenen „Hasenohren“.
Die Idee des „Körperkinos“ erinnert mich ein wenig an ein Schattentheater: Mit Händen, Fingern und Armen entstehen Zeichen, die für die Lernenden eine klare sprachliche Bedeutung bekommen. Ein Signal genügt oft – und sie wissen, worauf sie achten müssen.
Weniger erklären, schneller reagieren
Besonders beim freien Sprechen sind solche Signale hilfreich. Statt einen Lernenden mit einer längeren grammatischen Erklärung zu unterbrechen, gebe ich ein vereinbartes Zeichen.
Die Lernenden erkennen den Hinweis, überprüfen ihre Äusserung und korrigieren sich möglichst selbst. Der Redefluss wird dabei kaum unterbrochen.
So entsteht ein einfacher Ablauf:
sehen → erkennen → korrigieren → weitersprechen
Gleichzeitig reduziert sich mein Teacher Talk. Die Korrektur kommt nicht fertig formuliert von mir – die Lernenden müssen selbst erkennen, was das Signal bedeutet, ihr vorhandenes Wissen aktivieren und die entsprechende sprachliche Form finden.
Ein Beispiel aus meinem Signalsystem: Verbposition und trennbare Verben
Die Verposition wird sichtbar
Ein Beispiel aus meinem Signalsystem ist die Verbposition. Dafür verwende ich unterschiedliche Zeichen, die jeweils eine bestimmte sprachliche Struktur oder einen typischen Fehler markieren.
Für die Verbendstellung im Nebensatz führe ich den linken Arm über den Kopf. Die Bewegung macht sichtbar: Das Verb wandert ans Satzende.
Beispiel: „Ich bleibe zu Hause, weil ich heute krank bin.“