Weitere Tipps für guten Online-Unterricht finden Sie im Beitrag „Distanzunterricht: 10 Tipps für den Online-Unterricht“.
Welche Unterrichtsstörungen treten im Online-Unterricht häufig auf?
1. Videokonferenzen
- Wie im „normalen“ Unterricht in der Schule, sind Ablenkungen in Videokonferenzen häufige Störungen. Diese passieren oft ohne böse Absicht: Das kann die Katze sein, die durchs Bild läuft und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, oder bei jüngeren Kindern auch munteres Dazwischengeplapper. Diese Störungen sind schwer zu verhindern, da im Zuhause der Kinder der Alltag weiterläuft und sich alle nach Nähe und Kommunikation sehnen.
Gegenmassnahme: Wenn Sie aber einmal Unterbrechungen komplett vermeiden wollen, haben Sie als Moderator auf den meisten Plattformen die Möglichkeit, alle anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer oder auch einzelne Störer stummzuschalten. Wenn sie Fragen haben, können sie virtuell die Hand heben.
- Es kommt auch zu Störungen, die durch die Technik der Videokonferenzen neu hinzukommen: Schülerinnen und Schüler, die andere (auch die Lehrkraft) auf stumm schalten oder aus den Konferenzen werfen.
Gegenmassnahme: Machen Sie Ihre Klasse deshalb nie zu Moderatoren oder Organisatoren einer Besprechung. Auf vielen Plattformen lassen sich so Störungen durch die technischen Möglichkeiten reduzieren.
- Auch die Situation (kommt v. a. in höheren Klassen am frühen Morgen vor ;-) ), bei Videochats der Einzige mit aktivierter Kamera zu sein und kein Gegenüber zur Ansprache zu haben, ist gewöhnungsbedürftig. Rückmeldungen dringen auch nur selten aus dem schwarzen Off … Das macht eine Kommunikation schwierig. Auch manche Lehrerinnen und Lehrer haben Bedenken, die Kamera zu aktivieren.
Gegenmassnahme: Gezwungen werden kann und darf niemand, aber gegenseitig wenigstens Gesicht und Mimik zu sehen, macht den Online-Unterricht besser und persönlicher. Vielleicht können Sie Ihre Schülerinnen und Schüler überzeugen. Grundvoraussetzung ist dabei gegenseitiges Vertrauen und ein gutes Klassenklima.
- Ein wirklich schwerwiegendes Problem sind derzeit Aussenstehende, die sich meist durch von Schülerinnen und Schülern weitergegebene Links in die Videokonferenzen einwählen, um sie zu stören. Auf TikTok, Instagram und YouTube finden sich zahlreiche Mitschnitte und Aufforderungen, den Unterricht zu „stürmen“. Nicht immer sind die Störungen inhaltlich harmlos (wobei schon das Aufzeichnen und Veröffentlichen das „Recht am eigenen Bild“ verletzt und strafbar ist!). Es kam schon zu Zugriffen, bei denen Beleidigungen, Gewaltandrohungen und anzügliche Sprüche geäussert und nicht jugendfreie Inhalte gezeigt wurden.
Gegenmassnahme: Zeitpunkt, Links zum Meeting und Passwörter sollten natürlich nie öffentlich einsehbar sein. Durch die bewusste Weitergabe der Links durch Klassenmitglieder können auf offenen Plattformen trotzdem Aussenstehende in den Chat kommen. Überprüfen Sie deshalb immer die Teilnehmerliste und richten Sie einen virtuellen Warteraum ein. Diese Funktion gibt es auf den meisten Plattformen. Sie legen dann fest, wer an der Besprechung teilnehmen darf. Auf einigen Plattformen haben Sie auch die Möglichkeit, andere Nutzer von der Möglichkeit zu sperren, ihren Bildschirm zu teilen und so eigene Inhalte zu zeigen.
2. Online zur Verfügung stehende Inhalte
Das Löschen und Manipulieren von Materialien, die Sie zur Verfügung stellen, oder von Arbeitsergebnissen der Mitschülerinnen und -schüler, stört und verhindert das selbstständige Arbeiten der Klasse.
Gegenmassnahme: Erstmal sollten Sie prüfen, ob die Schülerin oder der Schüler vielleicht einfach noch Probleme mit der neuen Technik hat und die Störung versehentlich herbeigeführt hat. Ist das nicht der Fall, kann eine Ursachensuche helfen. Führt das auch nicht weiter, können als letzter Ausweg Sanktionen erfolgen.
Bei allen Unterrichtsstörungen gilt: aller Anfang ist schwer. Haben Sie Geduld mit der Klasse. Teilen Sie der Klasse auch mit, wie viel Engagement und Arbeit Sie in den Online-Unterricht stecken, und dass Sie das destruktive Verhalten enttäuscht. Eine gute Kommunikation, Verständnis für die für alle schwierige Situation und gegenseitige Wertschätzung sind gerade besonders wichtig. Das führt uns zum nächsten Punkt, der nicht ausser Acht gelassen werden sollte: