„Was sollen wir machen?“ – ein Satz, der uns nicht selten durch den normalen Schulalltag begleitet und den wahrscheinlich jede Lehrkraft nur zu gut kennt. Der Arbeitsauftrag wurde erklärt, an der (digitalen) Tafel visualisiert und eigentlich müsste doch alles klar sein. Eigentlich!?
Denn was für uns Lehrkräfte eindeutig und selbstverständlich klingt, muss es für unsere Schülerinnen und Schüler noch lange nicht sein. Oft rechnen wir überhaupt nicht damit, dass ein Arbeitsauftrag nicht verstanden werden könnte – schliesslich erscheint er uns selbst völlig klar. Doch schon unbekannte Begriffe, lange Formulierungen oder mehrere Arbeitsschritte auf einmal können dazu führen, dass unsere Schülerinnen und Schüler nicht wissen, was genau von ihnen erwartet wird.
Dabei braucht es oft gar nicht viel, um Arbeitsaufträge verständlicher zu gestalten. In diesem Beitrag möchte ich einfache Möglichkeiten aufzeigen, wie sich Aufgabenstellungen sprachlich, optisch und strukturell entlasten lassen, sodass sie schnell, unkompliziert und direkt im Unterricht einsetzbar sind.
Warum Arbeitsaufträge manchmal nicht verstanden werden
Ein Arbeitsauftrag kann fachlich noch so gut durchdacht sein – wenn unsere Schülerinnen und Schüler nicht verstehen, was zu tun ist, sind die Chancen relativ gering, dass sie die Aufgabe selbstständig bearbeiten können.
Dabei ist es uns Lehrkräften manchmal gar nicht bewusst, wie wichtig es ist, auch die Formulierung eines Arbeitsauftrags gut zu durchdenken. Uns selbst ist durchaus klar, worauf wir mit einer Aufgabe hinauswollen, welches Ergebnis wir erwarten und welche einzelnen Schritte dafür notwendig sind. Für uns erscheint der Weg deshalb oft ganz selbstverständlich. Unsere Schülerinnen und Schüler hingegen haben dieses Vorwissen nicht.
Was für uns eindeutig klingt, kann für sie Fragen aufwerfen oder sogar dazu führen, dass sie gar nicht erst wissen, wie sie mit einer Aufgabe beginnen sollen.
Dabei sind es oftmals Kleinigkeiten, die einen Arbeitsauftrag unnötig schwierig bzw. unverständlich machen.
Typische Stolpersteine können zum Beispiel sein:
- Zu lange Arbeitsaufträge: Viele Informationen und mehrere Arbeitsschritte stecken in einem einzigen Satz.
- Unklare Operatoren: Begriffe wie „erläutern“, „begründen“, „charakterisieren“ oder „gegenüberstellen“ sind nicht allen Schülerinnen und Schülern gleichermassen vertraut.
- Zu viele Schritte auf einmal: Lesen, markieren, vergleichen und anschliessend einen Text schreiben – wer einen Teil des Auftrags vergisst, kommt schnell ins Stocken.
- Unbekannte oder schwierige Wörter: Manchmal wird nicht die eigentliche Aufgabe zum Problem, sondern ein einzelner Begriff in der Aufgabenstellung.
- Fehlende Informationen: Wie viele Beispiele werden erwartet? Soll in ganzen Sätzen geantwortet werden? Wird alleine oder mit einem Partner gearbeitet?
- Nur mündlich erteilte Aufträge: Während die Lehrkraft erklärt, wird vielleicht noch das Mäppchen gesucht, mit dem/der Nebensitzenden gesprochen oder das richtige Arbeitsblatt herausgeholt. Ein Teil des Auftrags geht dabei schnell verloren.
Für uns Lehrkräfte lohnt sich deshalb ein kleiner Perspektivwechsel: Nicht nur „Ist mein Arbeitsauftrag fachlich richtig?“, sondern auch „Kann mein Arbeitsauftrag von meinen Schülerinnen und Schülern möglichst selbstständig verstanden werden?“
Wie Sie Arbeitsaufträge sprachlich entlasten können
Ein erster Ansatzpunkt für verständlichere Arbeitsaufträge ist die Sprache. Denn manchmal ist nicht die eigentliche Aufgabe zu schwierig, sondern bereits die Formulierung auf dem Weg dorthin. Besonders für Schülerinnen und Schüler mit geringeren sprachlichen Kompetenzen können lange Sätze, unbekannte Begriffe oder ungenaue Formulierungen schnell zur zusätzlichen Hürde werden.
Die folgenden Möglichkeiten beziehen sich deshalb zunächst ganz bewusst auf die sprachliche Gestaltung von Arbeitsaufträgen. Dabei geht es nicht darum, jeden Auftrag möglichst stark zu vereinfachen. Vielmehr soll die Sprache so klar, eindeutig und verständlich sein, dass unsere Schülerinnen und Schüler ihre Aufmerksamkeit auf den eigentlichen Lerninhalt richten können.
Diese Aspekte können bei der sprachlichen Gestaltung von Arbeitsaufträgen berücksichtigt werden:
- Kurze und klare Sätze verwenden: Lange und verschachtelte Formulierungen erschweren das Verständnis. Lieber einen langen Satz in mehrere kurze Sätze aufteilen.
- Einfache Satzstrukturen wählen: Arbeitsaufträge müssen sprachlich nicht besonders ausgefeilt klingen. Ein klarer Hauptsatz ist häufig leichter zu verstehen, als eine komplizierte Satzkonstruktion.
- Möglichst nur einen Auftrag pro Satz formulieren: Sollen mehrere Dinge erledigt werden, können die einzelnen Handlungen nacheinander genannt werden.
- „Konkrete Verben“ verwenden: Statt „Beschäftige dich mit dem Text“ besser genau benennen, was getan werden soll: „Lies den Text.“ – „Markiere drei Gründe.“ – „Schreibe die Gründe auf.“
- Schwierige oder unnötige Wörter vermeiden: Aus „Notiere die entsprechenden Textpassagen“ kann beispielsweise „Schreibe die passenden Textstellen auf“ werden.
- Fachbegriffe gezielt einsetzen: Fachsprache gehört zum Unterricht und soll natürlich gelernt werden. Ist ein Fachbegriff für die Bearbeitung notwendig, sollte er bekannt sein oder kurz erklärt werden. Unnötig komplizierte Begriffe können dagegen vermieden werden.
- Operatoren bewusst verwenden: Wörter wie „beschreiben“, „begründen“, „vergleichen“ oder „erklären“ geben vor, welche Leistung erwartet wird. Damit sie tatsächlich Orientierung geben können, müssen ihre Bedeutungen bekannt sein und muss regelmässig mit ihnen gearbeitet werden.
- Möglichst eindeutige Formulierungen wählen: Wörter wie „eventuell“, „gegebenenfalls“, „möglichst“ oder „entsprechend“ können einen Arbeitsauftrag unnötig unklar machen. Je eindeutiger die Formulierung, desto leichter lässt sich die Aufgabe erfassen.
- Konkrete Mengen nennen: Statt „Finde Beispiele im Text“ besser „Finde drei Beispiele im Text“. So wissen Ihre Schülerinnen und Schüler auch, wann sie die Aufgabe vollständig bearbeitet haben.
- Die erwartete Antwortform benennen: „Schreibe drei Stichpunkte“, „Antworte in ganzen Sätzen“ oder „Notiere nur die Zahl“ macht deutlich, wie das Ergebnis aussehen soll.
- Doppelte Verneinungen vermeiden: Sätze wie „Welche Aussage ist nicht unzutreffend?“ machen selbst einen einfachen Inhalt unnötig kompliziert.
- Pronomen eindeutig verwenden: Bei Formulierungen mit „dieser“, „diese“, „dazu“ oder „darauf“ sollte immer klar sein, worauf sich das Wort bezieht. Im Zweifel ist es verständlicher, das entsprechende Nomen noch einmal zu nennen.
- Gleiche Begriffe konsequent verwenden: Wird zunächst vom „Schaubild“ gesprochen, sollte es im nächsten Satz nicht plötzlich „Darstellung“, „Grafik“ oder „Abbildung“ heissen, wenn immer dasselbe gemeint ist. Eine einheitliche Wortwahl schafft Orientierung.
- Unnötige Informationen weglassen: Alles, was für die Bearbeitung der Aufgabe nicht benötigt wird, kann den eigentlichen Auftrag „verdecken“. So viel Information wie nötig – aber nicht mehr als notwendig.
Sprachliche Entlastung bedeutet also nicht, den fachlichen Anspruch einer Aufgabe zu reduzieren. Der Lerninhalt und das Lernziel bleiben bestehen. Vereinfacht wird lediglich der sprachliche Zugang zur Aufgabe. Schliesslich sollen unsere Schülerinnen und Schüler an der fachlichen Herausforderung arbeiten – und nicht zuerst herausfinden müssen, was der Arbeitsauftrag eigentlich von ihnen möchte.