Lehrerin erläutert einen Arbeitsauftrag
Unterrichtsmethoden
Veröffentlichung: 29.10.2026

„Was sollen wir machen?“ – Arbeitsaufträge verständlich formulieren und gestalten

„Was sollen wir machen?“ – Damit diese Frage im Unterricht seltener fällt, helfen klare und verständliche Arbeitsaufträge. Hier erfahren Sie, wie Sie Aufgaben sprachlich entlasten, sinnvoll strukturieren und mit kleinen Visualisierungen verständlicher gestalten.
Barbara Reisacher
Barbara Reisacher
Gastautorin

„Was sollen wir machen?“ – ein Satz, der uns nicht selten durch den normalen Schulalltag begleitet und den wahrscheinlich jede Lehrkraft nur zu gut kennt. Der Arbeitsauftrag wurde erklärt, an der (digitalen) Tafel visualisiert und eigentlich müsste doch alles klar sein. Eigentlich!?

Denn was für uns Lehrkräfte eindeutig und selbstverständlich klingt, muss es für unsere Schülerinnen und Schüler noch lange nicht sein. Oft rechnen wir überhaupt nicht damit, dass ein Arbeitsauftrag nicht verstanden werden könnte – schliesslich erscheint er uns selbst völlig klar. Doch schon unbekannte Begriffe, lange Formulierungen oder mehrere Arbeitsschritte auf einmal können dazu führen, dass unsere Schülerinnen und Schüler nicht wissen, was genau von ihnen erwartet wird.

Dabei braucht es oft gar nicht viel, um Arbeitsaufträge verständlicher zu gestalten. In diesem Beitrag möchte ich einfache Möglichkeiten aufzeigen, wie sich Aufgabenstellungen sprachlich, optisch und strukturell entlasten lassen, sodass sie schnell, unkompliziert und direkt im Unterricht einsetzbar sind.  

Warum Arbeitsaufträge manchmal nicht verstanden werden

Ein Arbeitsauftrag kann fachlich noch so gut durchdacht sein – wenn unsere Schülerinnen und Schüler nicht verstehen, was zu tun ist, sind die Chancen relativ gering, dass sie die Aufgabe selbstständig bearbeiten können. 

Dabei ist es uns Lehrkräften manchmal gar nicht bewusst, wie wichtig es ist, auch die Formulierung eines Arbeitsauftrags gut zu durchdenken. Uns selbst ist durchaus klar, worauf wir mit einer Aufgabe hinauswollen, welches Ergebnis wir erwarten und welche einzelnen Schritte dafür notwendig sind. Für uns erscheint der Weg deshalb oft ganz selbstverständlich. Unsere Schülerinnen und Schüler hingegen haben dieses Vorwissen nicht.

Was für uns eindeutig klingt, kann für sie Fragen aufwerfen oder sogar dazu führen, dass sie gar nicht erst wissen, wie sie mit einer Aufgabe beginnen sollen.
Dabei sind es oftmals Kleinigkeiten, die einen Arbeitsauftrag unnötig schwierig bzw. unverständlich machen.

Typische Stolpersteine können zum Beispiel sein:  

  • Zu lange Arbeitsaufträge: Viele Informationen und mehrere Arbeitsschritte stecken in einem einzigen Satz.
  • Unklare Operatoren: Begriffe wie „erläutern“, „begründen“, „charakterisieren“ oder „gegenüberstellen“ sind nicht allen Schülerinnen und Schülern gleichermassen vertraut.
  • Zu viele Schritte auf einmal: Lesen, markieren, vergleichen und anschliessend einen Text schreiben – wer einen Teil des Auftrags vergisst, kommt schnell ins Stocken.
  • Unbekannte oder schwierige Wörter: Manchmal wird nicht die eigentliche Aufgabe zum Problem, sondern ein einzelner Begriff in der Aufgabenstellung.
  • Fehlende Informationen: Wie viele Beispiele werden erwartet? Soll in ganzen Sätzen geantwortet werden? Wird alleine oder mit einem Partner gearbeitet?
  • Nur mündlich erteilte Aufträge: Während die Lehrkraft erklärt, wird vielleicht noch das Mäppchen gesucht, mit dem/der Nebensitzenden gesprochen oder das richtige Arbeitsblatt herausgeholt. Ein Teil des Auftrags geht dabei schnell verloren.

Für uns Lehrkräfte lohnt sich deshalb ein kleiner Perspektivwechsel: Nicht nur „Ist mein Arbeitsauftrag fachlich richtig?“, sondern auch „Kann mein Arbeitsauftrag von meinen Schülerinnen und Schülern möglichst selbstständig verstanden werden?“

Wie Sie Arbeitsaufträge sprachlich entlasten können  

Ein erster Ansatzpunkt für verständlichere Arbeitsaufträge ist die Sprache. Denn manchmal ist nicht die eigentliche Aufgabe zu schwierig, sondern bereits die Formulierung auf dem Weg dorthin. Besonders für Schülerinnen und Schüler mit geringeren sprachlichen Kompetenzen können lange Sätze, unbekannte Begriffe oder ungenaue Formulierungen schnell zur zusätzlichen Hürde werden.
 
Die folgenden Möglichkeiten beziehen sich deshalb zunächst ganz bewusst auf die sprachliche Gestaltung von Arbeitsaufträgen. Dabei geht es nicht darum, jeden Auftrag möglichst stark zu vereinfachen. Vielmehr soll die Sprache so klar, eindeutig und verständlich sein, dass unsere Schülerinnen und Schüler ihre Aufmerksamkeit auf den eigentlichen Lerninhalt richten können. 

Diese Aspekte können bei der sprachlichen Gestaltung von Arbeitsaufträgen berücksichtigt werden: 

  • Kurze und klare Sätze verwenden: Lange und verschachtelte Formulierungen erschweren das Verständnis. Lieber einen langen Satz in mehrere kurze Sätze aufteilen.    
  • Einfache Satzstrukturen wählen: Arbeitsaufträge müssen sprachlich nicht besonders ausgefeilt klingen. Ein klarer Hauptsatz ist häufig leichter zu verstehen, als eine komplizierte Satzkonstruktion. 
  • Möglichst nur einen Auftrag pro Satz formulieren: Sollen mehrere Dinge erledigt werden, können die einzelnen Handlungen nacheinander genannt werden. 
  • „Konkrete Verben“ verwenden: Statt „Beschäftige dich mit dem Text“ besser genau benennen, was getan werden soll: „Lies den Text.“ – „Markiere drei Gründe.“ – „Schreibe die Gründe auf.“
  • Schwierige oder unnötige Wörter vermeiden: Aus „Notiere die entsprechenden Textpassagen“ kann beispielsweise „Schreibe die passenden Textstellen auf“ werden. 
  • Fachbegriffe gezielt einsetzen: Fachsprache gehört zum Unterricht und soll natürlich gelernt werden. Ist ein Fachbegriff für die Bearbeitung notwendig, sollte er bekannt sein oder kurz erklärt werden. Unnötig komplizierte Begriffe können dagegen vermieden werden. 
  • Operatoren bewusst verwenden: Wörter wie „beschreiben“, „begründen“, „vergleichen“ oder „erklären“ geben vor, welche Leistung erwartet wird. Damit sie tatsächlich Orientierung geben können, müssen ihre Bedeutungen bekannt sein und muss regelmässig mit ihnen gearbeitet werden.
  • Möglichst eindeutige Formulierungen wählen: Wörter wie „eventuell“, „gegebenenfalls“, „möglichst“ oder „entsprechend“ können einen Arbeitsauftrag unnötig unklar machen. Je eindeutiger die Formulierung, desto leichter lässt sich die Aufgabe erfassen.
  • Konkrete Mengen nennen: Statt „Finde Beispiele im Text“ besser „Finde drei Beispiele im Text“. So wissen Ihre Schülerinnen und Schüler auch, wann sie die Aufgabe vollständig bearbeitet haben.
  • Die erwartete Antwortform benennen: „Schreibe drei Stichpunkte“, „Antworte in ganzen Sätzen“ oder „Notiere nur die Zahl“ macht deutlich, wie das Ergebnis aussehen soll. 
  • Doppelte Verneinungen vermeiden: Sätze wie „Welche Aussage ist nicht unzutreffend?“ machen selbst einen einfachen Inhalt unnötig kompliziert. 
  • Pronomen eindeutig verwenden: Bei Formulierungen mit „dieser“, „diese“, „dazu“ oder „darauf“ sollte immer klar sein, worauf sich das Wort bezieht. Im Zweifel ist es verständlicher, das entsprechende Nomen noch einmal zu nennen. 
  • Gleiche Begriffe konsequent verwenden: Wird zunächst vom „Schaubild“ gesprochen, sollte es im nächsten Satz nicht plötzlich „Darstellung“, „Grafik“ oder „Abbildung“ heissen, wenn immer dasselbe gemeint ist. Eine einheitliche Wortwahl schafft Orientierung. 
  • Unnötige Informationen weglassen: Alles, was für die Bearbeitung der Aufgabe nicht benötigt wird, kann den eigentlichen Auftrag „verdecken“. So viel Information wie nötig – aber nicht mehr als notwendig. 

Sprachliche Entlastung bedeutet also nicht, den fachlichen Anspruch einer Aufgabe zu reduzieren. Der Lerninhalt und das Lernziel bleiben bestehen. Vereinfacht wird lediglich der sprachliche Zugang zur Aufgabe. Schliesslich sollen unsere Schülerinnen und Schüler an der fachlichen Herausforderung arbeiten – und nicht zuerst herausfinden müssen, was der Arbeitsauftrag eigentlich von ihnen möchte.

rechts: Frau laminiert, links Junge auf Pedalo

Wie Struktur und Visualisierungen das Verständnis erleichtern 

Neben der Sprache spielt auch die Gestaltung eines Arbeitsauftrags eine wichtige Rolle. Selbst ein sprachlich klar formulierter Auftrag kann schnell unübersichtlich werden, wenn mehrere Arbeitsschritte dicht hintereinanderstehen oder wichtige Informationen im Text untergehen.
 
Eine klare Struktur und kleine visuelle Hilfen können Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, einen Arbeitsauftrag schneller zu erfassen und während der Bearbeitung immer wieder selbstständig nachzusehen, was als Nächstes zu tun ist. Dafür braucht es keine aufwendig gestalteten Arbeitsblätter – häufig reichen bereits kleine Veränderungen. 

Folgende Möglichkeiten können bei der Gestaltung eines Arbeitsauftrags berücksichtigt werden: 

  • Arbeitsschritte nummerieren: Besteht ein Auftrag aus mehreren Schritten, können diese mit 1., 2., 3. usw. gekennzeichnet werden. So ist sofort erkennbar, in welcher Reihenfolge gearbeitet werden soll
  • Jeden Arbeitsschritt in eine eigene Zeile setzen: Mehrere Aufträge sollten nicht in einem langen Textblock versteckt werden. Durch einzelne Zeilen lassen sich die Schritte leichter voneinander unterscheiden.
  • Wichtige Informationen optisch hervorheben: Entscheidend ist, dass auf einen Blick erkennbar wird, was besonders wichtig ist. Das können beispielsweise der Operator, eine Seitenzahl, die Anzahl der erwarteten Beispiele oder eine Zeitangabe sein.
  • Wiederkehrende Symbole verwenden: Kleine, immer gleiche Symbole können anzeigen, ob gelesen, geschrieben, markiert, gesprochen oder etwas ausgeschnitten werden soll. Sind die Symbole einmal eingeführt, bieten sie schnell Orientierung.
  • Sozialformen sichtbar machen: Auch Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit kann durch feste Symbole gekennzeichnet werden. Dadurch entfällt häufig schon die Frage: „Machen wir das alleine oder zusammen?“
  • Benötigtes Material anzeigen: Buch, Heft, Arbeitsblatt, Schere oder Tablet können direkt beim Arbeitsauftrag genannt oder durch ein bekanntes Symbol dargestellt werden.
  • Beispiele sichtbar machen: Besonders bei neuen Aufgabenformaten kann ein kurzes Muster zeigen, wie das erwartete Ergebnis aussehen soll. Ein Beispiel erklärt manchmal schneller, als eine zusätzliche mündliche Erklärung.
  • Checklisten nutzen: Bei umfangreicheren Aufgaben können Schülerinnen und Schüler erledigte Schritte abhaken. Das erleichtert die Orientierung und macht gleichzeitig sichtbar, was noch fehlt.
  • Arbeitsaufträge während der Arbeitsphase sichtbar lassen: Ein Auftrag, der nur kurz auf einer Präsentationsfolie erscheint und anschliessend verschwindet, hilft während der Bearbeitung wenig. Wenn möglich, sollte er an der Tafel, auf dem Arbeitsblatt oder auf der Präsentationsfolie weiterhin einsehbar sein.
  • Ein einheitliches System verwenden: Visualisierungen helfen besonders dann, wenn sie wiederkehren. Wenn beispielsweise dasselbe Symbol immer für Partnerarbeit oder dasselbe Zeichen immer für einen Schreibauftrag steht, müssen Schülerinnen und Schüler die Darstellung nicht jedes Mal neu entschlüsseln.

Auch bei der Visualisierung gilt: Weniger kann mehr sein. Zu viele Farben, Symbole, Kästen und Hervorhebungen können einen Arbeitsauftrag genauso unübersichtlich machen wie ein langer Text. Entscheidend ist nicht, möglichst viel zu gestalten, sondern die Informationen sichtbar zu machen, die den Schülerinnen und Schülern tatsächlich bei der Bearbeitung helfen. 

Kleine Hilfen, die sich ohne grossen Aufwand in den Unterricht integrieren lassen 

Auch ein gut formulierter und übersichtlich gestalteter Arbeitsauftrag ist keine Garantie dafür, dass er von all Ihren Schülerinnen und Schülern auf Anhieb verstanden wird. Gerade im Unterrichtsalltag kommen viele kleine Faktoren hinzu: Jemand war kurz abgelenkt, ein Material fehlt noch oder ein einzelner Begriff ist weiterhin unklar. 

Bevor die Arbeitsphase beginnt, können deshalb kleine Routinen und Hilfen sinnvoll sein. Sie kosten meist nur wenige Sekunden oder Minuten, können aber viele Nachfragen während der anschliessenden Arbeitszeit vermeiden.

Die folgenden Ideen lassen sich unkompliziert in den Unterricht integrieren: 

  • Arbeitsauftrag wiederholen lassen: Statt zu fragen „Habt ihr alles verstanden?“ kann eine Schülerin oder ein Schüler den Auftrag mit eigenen Worten wiedergeben. So wird schnell deutlich, ob tatsächlich klar ist, was zu tun ist.
  • „W-Fragen“ nutzen: Vor dem Start kann gemeinsam geklärt werden: Was soll ich tun? Womit arbeite ich? Wie soll mein Ergebnis aussehen? Je nach Aufgabe können „Wie viel?“ oder „Mit wem?“ ergänzt werden.
  • Eine kurze Denkpause geben: Nach der Erklärung des Arbeitsauftrags nicht sofort starten, sondern einige Sekunden Zeit geben, um den Auftrag noch einmal zu lesen und gedanklich zu sortieren.
  • Ein Beispiel gemeinsam beginnen: Bei neuen oder ungewohnten Aufgabenformaten kann der erste Schritt gemeinsam durchgeführt werden. Danach arbeiten die Schülerinnen und Schüler selbstständig weiter.
  • Ein fertiges Beispiel zeigen: Manchmal hilft es, kurz zu zeigen, wie ein mögliches Ergebnis aussehen kann.
  • Operatoren im Klassenraum verfügbar machen: Eine kleine Übersicht mit häufig verwendeten Operatoren und ihrer Bedeutung kann dauerhaft ausgehängt oder im Heft bzw. Ordner abgelegt werden. Bei Unsicherheiten können die Schülerinnen und Schüler selbst nachsehen.
  • Wiederkehrende Abläufe etablieren: Wenn Arbeitsaufträge häufig nach demselben Muster präsentiert und erklärt werden, entsteht Routine. Die Schülerinnen und Schüler wissen beispielsweise, dass sie zuerst den Auftrag lesen, benötigtes Material bereitlegen und anschliessend beginnen.
  • Einen festen Ort für Arbeitsaufträge nutzen: Arbeitsaufträge können beispielsweise immer an derselben Stelle der Tafel oder Präsentation stehen. Dadurch wissen die Schülerinnen und Schüler sofort, wo sie bei einer Unsicherheit nachsehen können.
  • Gezielt statt allgemein abfragen: Auf die Frage „Ist alles klar?“ folgt häufig Schweigen – auch dann, wenn längst nicht alles klar ist. Konkrete Fragen wie „Wie viele Beispiele sollt ihr finden?“ oder „Wo schreibt ihr eure Ergebnisse auf?“ liefern deutlich mehr Informationen.
  • Rückfragen ermöglichen, aber bündeln: Nach der Erklärung kann bewusst ein kurzer Moment für Fragen eingeplant werden. So können Unklarheiten geklärt werden, bevor die eigentliche Arbeitsphase beginnt.

Nicht jede dieser kleinen Hilfen ist für jede Klasse oder jede Aufgabe notwendig. Vielmehr kann sich jede Lehrkraft diejenigen Routinen herausgreifen, die zum eigenen Unterricht und zur jeweiligen Lerngruppe passen. Oft entwickeln sich daraus mit der Zeit feste Abläufe, die den Schülerinnen und Schülern Sicherheit geben und gleichzeitig dazu beitragen, dass Arbeitsphasen selbstständiger beginnen können.

Der schnelle Check

Viele kleine Stellschrauben können dazu beitragen, Arbeitsaufträge verständlicher zu machen. Doch natürlich muss nicht vor jeder Unterrichtsstunde eine lange Liste an Kriterien durchgearbeitet werden. Oft genügt ein kurzer Blick auf eine andere Perspektive: Wie wirkt der Arbeitsauftrag auf jemanden, der noch nicht weiss, worauf die Aufgabe hinauslaufen soll?

Damit Sie die wichtigsten Aspekte aus diesem Beitrag schnell zur Hand haben, wurden diese in einem „schnellen Check“ zusammengefasst. Die Liste kann möglicherweise dabei helfen, einen Arbeitsauftrag vor dem Einsatz noch einmal kurz durch die „Schülerbrille“ zu betrachten und Stolperstellen aufzuspüren.

  • Ist auf den ersten Blick klar, was getan werden soll?
  • Sind die verwendeten Wörter und Formulierungen verständlich?
  • Sind notwendige Fachbegriffe bekannt oder erklärt?
  • Sind die verwendeten Operatoren bekannt und eindeutig?
  • Enthält jeder Arbeitsschritt möglichst nur eine konkrete Handlung?
  • Sind mehrere Arbeitsschritte klar voneinander getrennt?
  • Ist eindeutig, welches Material benötigt wird?
  • Ist angegeben, wie viel bearbeitet werden soll?
  • Ist klar, in welcher Sozialform gearbeitet wird?
  • Wissen die Schülerinnen und Schüler, wie das Ergebnis aussehen soll, z. B. Stichpunkte, ganze Sätze, Tabelle oder Zeichnung?
  • Sind wichtige Informationen schnell zu erkennen und nicht in langen Texten versteckt?
  • Kann der Arbeitsauftrag während der Arbeitsphase noch einmal nachgelesen werden? 

Natürlich muss nicht bei jedem Arbeitsauftrag jeder einzelne Punkt erfüllt sein. Ein einfacher Auftrag wie „Lies den Text auf Seite 24.“ braucht keine ausführliche Struktur oder zusätzliche Visualisierung.

Die Checkliste soll vielmehr dabei helfen, bei umfangreicheren Aufgaben kurz in die Perspektive unserer Schülerinnen und Schüler zu schlüpfen und mögliche Stolperstellen zu entdecken, bevor aus einem vermeintlich klaren Auftrag wieder die bekannte Frage „Was sollen wir machen?“ wird.

Hier gibt's die Checkliste als Download: 

Fazit

Verständliche Arbeitsaufträge müssen weder perfekt noch besonders aufwendig gestaltet sein. Oft sind es kleine Veränderungen, die bereits einen grossen Unterschied machen: ein klar formulierter Satz, ein langer Auftrag, der in einzelne Schritte zerlegt wird, eine konkrete Mengenangabe oder ein vertrautes Symbol, das zusätzliche Orientierung bietet.

Dabei lohnt es sich, Arbeitsaufträge nicht nur aus fachlicher Sicht zu betrachten. Wir Lehrkräfte wissen bereits, worauf eine Aufgabe hinauslaufen soll, welche Schritte notwendig sind und welches Ergebnis wir am Ende erwarten. Unsere Schülerinnen und Schüler starten dagegen an einem ganz anderen Punkt. Deshalb kann es hilfreich sein, beim Erstellen einer Aufgabe immer wieder einmal in die Lernenden-Perspektive zu wechseln und sich zu fragen: Wüsste ich wirklich sofort, was ich tun soll, wenn ich das Ziel der Aufgabe noch nicht kennen würde?

Klare und verständliche Arbeitsaufträge können dabei nicht nur den Schülerinnen und Schülern helfen. Sie unterstützen selbstständigeres Arbeiten, vermeiden unnötige Unsicherheiten und können letztendlich auch uns Lehrkräfte im Unterricht entlasten. Denn je klarer ein Auftrag von Anfang an ist, desto weniger Zeit muss während der Arbeitsphase dafür aufgewendet werden, ihn noch einmal und noch einmal zu erklären. 

Natürlich wird die berühmte Frage „Was sollen wir machen?“ vermutlich trotzdem nie ganz aus unseren Klassenzimmern verschwinden. Aber wenn sie durch ein paar kleine Veränderungen künftig ein bisschen seltener fällt, ist schon einiges gewonnen. Und vielleicht bleibt dadurch auf beiden Seiten ein wenig mehr Zeit und Ruhe für das, worum es eigentlich gehen soll: das gemeinsame Lernen.

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Wer schreibt hier?

Ich heiße Barbara Reisacher und bin Lehrerin an einer Mittelschule im schönen Bayern. Mein studiertes Hauptfach an der Universität Augsburg war Deutsch als Zweitsprache. Während meines Referendariats durfte ich erste Erfahrungen in einer Übergangsklasse sammeln und das theoretisch Gelernte in der Praxis anwenden. Im Moment bin ich Klassenleitung einer Deutschklasse und bereite parallel die SchülerInnen der 9. Klasse auf ihre Abschlussprüfung im Fach DaZ vor. In meiner täglichen Arbeit habe ich also sowohl mit Sprachanfängern, als auch mit fortgeschrittenen Sprachenlernern zu tun.