Lehrerin lobt Schüler
Schülerförderung
Unterrichtsmethoden
Veröffentlichung: 01.10.2026

Möglichkeiten einer „schnellen Differenzierung“ im Unterricht

Heterogenität ist der Normalfall im Klassenzimmer. Unterschiedliche Lernvoraussetzungen, Interessen, Motivation und Arbeitstempi stellen Lehrkräfte täglich vor Herausforderungen. Wie gelingt Differenzierung, ohne dass Planung und Materialerstellung ausufern? Hier finden Sie Tipps und Checklisten zum Ausdrucken.
Barbara Reisacher
Barbara Reisacher
Gastautorin

Heterogenität ist keine Ausnahme, sondern der Normalfall im Klassenzimmer: Unterschiedliche Lernvoraussetzungen, sprachliche Hintergründe, Interessen, Motivation und Arbeitstempi treffen täglich aufeinander. Für uns Lehrkräfte bedeutet das eine enorme Herausforderung. Wir stellen uns regelmässig die Frage: Wie kann ich meinen Unterricht so organisieren und gestalten, dass alle Schülerinnen und Schüler erreicht werden, ohne dass Planung und Materialerstellung ausufern?

Zwischen individuellen Förderbedarfen und begrenzten zeitlichen Ressourcen entsteht dabei oft ein Spannungsfeld, das im Schulalltag spürbar ist. Klassische Differenzierungsansätze wirken in der Theorie überzeugend, scheitern jedoch nicht selten an ihrer aufwendigen Umsetzung. Genau hier wird deutlich, wie wichtig praktikable Lösungen sind, die sich flexibel und ohne grossen Mehraufwand einsetzen lassen.   

Das Konzept der „schnellen Differenzierung“

Das Konzept der schnellen Differenzierung setzt nicht auf umfangreiche Parallelmaterialien, sondern auf einfache, wirkungsvolle Anpassungen im Unterrichtsgeschehen selbst. So können Lehrkräfte situativ auf die Vielfalt in ihrer Klasse reagieren und Lernprozesse gezielt unterstützen – ohne den eigenen Arbeitsaufwand in die Höhe schiessen zu lassen.

„Schnell“ bedeutet dabei keineswegs oberflächlich oder weniger durchdacht. Vielmehr geht es darum, mit möglichst geringem zusätzlichem Vorbereitungsaufwand gezielt auf unterschiedliche Lernbedürfnisse zu reagieren. Statt für verschiedene Leistungsniveaus mehrere Arbeitsblätter zu erstellen, können beispielsweise kleine Hilfestellungen, reduzierte Aufgabenmengen, Zusatzaufträge, Satzstarter oder Tippkarten eingesetzt werden. Häufig bleibt dabei sogar das ursprüngliche Unterrichtsmaterial für die gesamte Klasse bestehen und wird lediglich dort ergänzt oder angepasst, wo Unterstützung oder zusätzliche Herausforderung tatsächlich benötigt wird.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Flexibilität: Nicht immer lässt sich bereits bei der Unterrichtsplanung vorhersehen, welche Schülerinnen und Schüler an welcher Stelle Schwierigkeiten haben werden. Schnelle Differenzierung ermöglicht es, erst dann zu reagieren, wenn ein konkreter Bedarf sichtbar wird. Die Lehrkraft entscheidet situativ: Wer benötigt Hilfestellung? Wer braucht mehr Zeit? Wer kann bereits einen Schritt weitergehen?

Das Ziel ist es demnach, Differenzierung alltagstauglich zu gestalten: weniger Perfektionismus und mehr Handlungsfähigkeit für den Moment. Schnelle Differenzierung bedeutet auch, den eigenen Anspruch neu zu justieren und sich auf das zu konzentrieren, was im Unterricht unmittelbar wirksam ist. Denn Differenzierung kann auf Dauer nur dann funktionieren, wenn sie nicht nur den unterschiedlichen Bedürfnissen der Lernenden gerecht wird, sondern auch die zeitlichen und persönlichen Ressourcen der Lehrkraft berücksichtigt.

Wieso bietet „schnelle Differenzierung“ auch für uns Lehrkräfte viele Vorteile?

  • Geringerer Vorbereitungsaufwand – nicht für jede Lerngruppe müssen eigene Materialien erstellt werden.
  • Weniger Arbeitsbelastung – Differenzierung wird nicht zu einer zusätzlichen, kaum bewältigbaren Aufgabe.
  • Mehr Flexibilität – Hilfen können genau dann eingesetzt werden, wenn im Unterrichtsalltag tatsächlich Bedarf besteht.
  • Weniger Materialflut – Lehrkräfte und Lernende behalten so leichter den Überblick.        
  • Mehr Ruhe im Unterricht – anstatt zahlreiche unterschiedliche Materialien gleichzeitig organisieren zu müssen, kann mit einer gemeinsamen Grundlage gearbeitet werden.
  • Mehr Energie für das eigentliche Unterrichten – die Aufmerksamkeit liegt stärker auf den Lernprozessen und weniger auf der Verwaltung verschiedener Materialpakete.
  • Leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler fühlen sich nicht abgewertet, wenn sie nicht mit „besonderen“ Materialien versorgt werden.

Aus der Praxis – für die Praxis: Methoden der „schnellen Differenzierung“ im Unterricht     

Wie kann „schnelle Differenzierung“ im Unterricht konkret aussehen? Oft sind es bereits kleine Veränderungen, die es ermöglichen, auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu reagieren.

Im Folgenden werden konkrete und sofort einsetzbare (Mini-)Methoden für eine „schnelle Differenzierung“ näher beleuchtet. Dabei werden die Fächer Deutsch/DaZ, Mathematik und Sachunterricht in den Fokus genommen.

Möglichkeiten zur Differenzierung im Fach Mathematik:  

  • Aufgabenmenge in den Blick nehmen: Nicht alle Schülerinnen und Schüler müssen jede Aufgabe bearbeiten. Entscheidend ist, dass die ausgewählten Aufgaben das Lernziel abdecken. Denkbar wäre beispielsweise eine Einteilung der gestellten Aufgaben in Pflicht-, Wahl- und Expertenaufgaben, welche mit entsprechenden Symbolen gekennzeichnet werden. Ein Arbeitsblatt kann auf diese Weise unterschiedliche Zugänge enthalten, ohne dass mehrere Versionen erstellt werden müssen.
  • Zahlenmaterial differenzieren: gleicher Rechenweg, aber unterschiedliche Zahlenräume oder Schwierigkeitsgrade  
  • Gestufte Hilfekarten: von einem kleinen Denkanstoss über eine konkretere Hilfe bis hin zum begonnenen Lösungsweg
  • Hilfsmittel bereitstellen: Zahlenstrahl, Einmaleins-Tabelle, Hundertertafel, Formelsammlung, Taschenrechner oder Anschauungsmaterial können bei Bedarf genutzt werden.  
  • Beispielaufgabe anbieten: Wer nicht weiterkommt, erhält eine bereits gelöste, ähnlich aufgebaute Aufgabe als Orientierung.  
  • Angefangene Lösungen bereitstellen: Der erste Rechenschritt oder eine Skizze ist bereits vorhanden; die Lernenden arbeiten selbstständig weiter.
  • Fehler finden lassen / Korrekturen vornehmen: Schnellere Lernende erhalten eine bewusst falsch gelöste Aufgabe und müssen den Fehler finden, erklären und korrigieren.  
  • Mehrere Lösungswege suchen: „Kannst du die Aufgabe noch anders lösen?“ Funktioniert besonders gut bei Sachaufgaben, Kopfrechnen und Geometrie.
  • Lösungswege begründen: Statt weitere Aufgaben zu rechnen, erklären leistungsstärkere Lernende, warum ihr Lösungsweg funktioniert.
  • Aufgaben selbst erstellen: „Erfinde drei Aufgaben mit dem Ergebnis 120.“ oder „Erstelle eine Sachaufgabe zur Rechnung 48 : 6.“
  • Aufgaben verändern: „Was passiert, wenn du eine Zahl verdoppelst?“ oder „Verändere eine Zahl so, dass das Ergebnis 500 beträgt.“
  • Zwischenkontrollen einbauen: Nach wenigen Aufgaben kontrollieren die Schülerinnen und Schüler selbstständig mit einer Lösungskarte und entscheiden anschliessend, ob sie weiterüben oder zum nächsten Niveau wechseln.
  • Mathe-Tandems nutzen (mündlich): Wer eine Aufgabe sicher verstanden hat, erklärt den Lösungsweg einem anderen Kind – allerdings freiwillig und gezielt, nicht als Dauerrolle für leistungsstarke Lernende.
  • „Erkläre es einem Kind“-Aufträge (schriftlich): Schnellere Lernende formulieren eine möglichst verständliche Erklärung für einen Rechenweg oder eine Regel.
  • Darstellungsform wechseln: Eine Rechnung zusätzlich als Skizze, am Zahlenstrahl, mit Material oder in einer Tabelle darstellen, je nach Thema.
  • Sachaufgaben sprachlich entlasten: Schlüsselbegriffe markieren, wichtige Angaben hervorheben, Fragen vereinfachen oder eine passende Skizze anbieten. Gerade für DaZ-Lernende ist das eine sehr schnelle Form der Differenzierung.
  • Zusatzinformationen entfernen oder ergänzen: Bei Sachaufgaben können schwächere Lernende nur notwendige Informationen erhalten, während stärkere selbst herausfinden müssen, welche Angaben relevant sind.
  • Zeit statt Menge flexibilisieren: Nicht alle müssen zum gleichen Zeitpunkt fertig sein. Ein klar definiertes Mindestziel kann den Druck herausnehmen.
  • „Joker-Aufgaben“ bereithalten: Einige universell einsetzbaren Vertiefungsaufträge können immer wieder verwendet werden: „Begründe!“, „Finde einen anderen Weg, wie du die Aufgabe lösen könntest.“, „Erfinde ein anderes Beispiel passend zur Aufgabe.“, „Finde einen Fehler in der angegebenen Aufgabe.“.
  • Mündlich statt schriftlich differenzieren: Manchmal reicht ein kurzer individueller Impuls der Lehrkraft: „Zeichne dir das einmal auf.“ – „Was weisst du schon?“ – „Welche Rechnung könnte dazu passen?“ Dafür braucht es überhaupt kein zusätzliches Material.
rechts: Frau laminiert, links Junge auf Pedalo

Möglichkeiten zur Differenzierung im Fach Deutsch:

Gerade im Deutsch- und DaZ-Unterricht treffen häufig sehr unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen, Lese- und Schreibkompetenzen sowie Arbeitstempi aufeinander. Schnelle Differenzierung kann hier an vielen kleinen Stellschrauben ansetzen, ohne dass für jede Lerngruppe eigenes Material erstellt werden muss.

Dabei muss nicht immer der Lerninhalt vereinfacht werden. Oft reicht es bereits, sprachliche Hürden abzubauen, zusätzliche Hilfen anzubieten oder den Umfang einer Aufgabe anzupassen. Dies ermöglicht es, am gemeinsamen Lerngegenstand zu arbeiten und dennoch auf individuelle Bedürfnisse zu reagieren.

Im Folgenden werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, die sich mit wenig Vorbereitungsaufwand in den Deutsch- und DaZ-Unterricht integrieren lassen.

  • Textumfang reduzieren: Lernende lesen einen kürzeren Abschnitt oder bearbeiten nur ausgewählte Absätze eines gemeinsamen Textes. Es ist auch denkbar, einen Text in verschiedenen Niveau-Stufen anzubieten.
  • Schlüsselwörter markieren: Wichtige Begriffe, Informationen oder Signalwörter werden im Text bereits hervorgehoben.
  • Schwierige Wörter vorentlasten: Unbekannte Begriffe werden vor dem Lesen kurz erklärt oder mit einfachen, verständlichen Synonymen versehen.
  • Wortlisten anbieten: Besonders im DaZ-Unterricht können zur Bearbeitung der Aufgaben passende Listen zur Verfügung gestellt werden.
  • Satzstarter vorgeben: Beim Schreiben helfen Anfänge wie „Ich denke, dass …“, „Auf dem Bild sehe ich …“ oder „Meiner Meinung nach …“.
  • Satzbausteine anbieten: Lernende können aus vorgegebenen sprachlichen Bausteinen eigene Sätze zusammensetzen. 
  • Beispielantworten geben: Eine bereits formulierte Musterantwort zeigt, welche Art von Antwort erwartet wird.
  • Schreibgerüste nutzen / Leitfragen anbieten / W-Fragen einsetzen: Statt eines offenen Schreibauftrags erhalten einzelne Lernende Fragen, an denen sie sich entlanghangeln können. Wer Schwierigkeiten beim Textverständnis hat, kann Informationen zunächst über „Wer? Was? Wann? Wo? Warum?“ erschliessen.
  • Auswahlantworten anbieten: Eine offene Frage kann für einzelne Lernende durch mehrere Antwortmöglichkeiten ergänzt werden.
  • Lückentexte als Unterstützung nutzen: Während ein Teil der Klasse frei formuliert, ergänzen andere zentrale Begriffe oder Satzteile.
  • Wörter vorgeben statt frei finden lassen / Wortspeicher bereitstellen: Bei Grammatikaufgaben können beispielsweise passende Verben oder Adjektive zur Auswahl stehen. Ein kleiner Wortspeicher kann bei Schreibaufträgen, Bildbeschreibungen oder Grammatikübungen unterstützen.
  • Wörterbuch oder digitale Übersetzungshilfen zulassen: Gerade bei DaZ kann die gezielte Nutzung sprachlicher Hilfsmittel den Zugang zur gemeinsamen Aufgabe ermöglichen.       
  • Bilder zur Sprachunterstützung einsetzen: Begriffe oder Inhalte werden zusätzlich durch einfache Abbildungen oder Symbole verständlich gemacht.
  • Bildimpulse statt ausschliesslich sprachlicher Impulse verwenden: Ein Bild kann den Einstieg in eine Erzählung, Beschreibung oder Diskussion erleichtern.
  • Texte vorlesen lassen: Lernende, deren Lesekompetenz noch nicht ausreicht, können denselben Inhalt auditiv erschliessen. 
  • Lesetandems bilden: Sicherere und weniger sichere Leserinnen und Leser arbeiten zeitweise gemeinsam an einem Text.
  • Abschnitte nummerieren: eine kleine Massnahme, die besonders schwächeren Leserinnen und Lesern hilft, sich in längeren Texten zu orientieren
  • Zwischenüberschriften ergänzen: Lange Texte werden dadurch übersichtlicher und leichter erschliessbar.
  • Arbeitsaufträge sprachlich vereinfachen: Nicht der Lerngegenstand wird vereinfacht, sondern die Formulierung des Auftrags.
  • Arbeitsaufträge in Teilschritte zerlegen: Aus „Lies den Text und fasse ihn zusammen“ wird beispielsweise „1. Lies. 2. Markiere wichtige Informationen. 3. Schreibe drei Stichpunkte. 4. Formuliere daraus eine Zusammenfassung."
  • Aufgabenmenge reduzieren: Nicht alle müssen beispielsweise sechs Grammatikaufgaben oder sämtliche Fragen zu einem Text bearbeiten.
  • Pflicht- und Wahlaufgaben kennzeichnen: Ein Grundpensum bearbeiten alle; weitere Aufgaben können nach Leistungsstand oder Arbeitstempo gewählt werden.
  • Synonyme finden lassen: „Welche anderen Wörter findest du für gehen/sagen/schön?“ – diese Art der schnellen Differenzierung eignet sich besonders gut zur Wortschatzerweiterung.
  • Sätze vereinfachen: Es können komplexe Sätze in eine einfachere Sprache übertragen werden – eine interessante Herausforderung auch für sprachlich starke Lernende.
  • Fragen zum Text selbst entwickeln: Wer mit den regulären Aufgaben fertig ist, formuliert eigene Verständnisfragen für Mitschülerinnen und Mitschüler.
  • „Fehlerteufel“ finden: Rechtschreib-, Grammatik- oder Zeichensetzungsfehler werden gesucht, verbessert und begründet.
  • Nachschlagehilfen geben: Rechtschreibwörterbuch, Regelkarten, Grammatikübersichten oder Lernplakate können selbstständig genutzt werden.
  • Regelkarten anbieten: Bei Rechtschreibung und Grammatik können kleine Merkhilfen dauerhaft verfügbar sein und immer wieder eingesetzt werden.
  • Hilfekarten in verschiedenen Stufen anbieten: Tipp 1 gibt nur einen kleinen Hinweis, Tipp 2 hilft konkreter, Tipp 3 zeigt ein ähnliches Beispiel.
  • Selbstkontrolle ermöglichen: Lösungsblätter oder Kontrollkarten erlauben eine unmittelbare Rückmeldung, ohne dass die Lehrkraft jede Aufgabe einzeln kontrollieren muss.
  • Think–Pair–Share nutzen: Erst selbst überlegen, sich dann zu zweit austauschen, anschliessend im Plenum besprechen. Dadurch erhalten sprachlich unsichere Lernende zusätzliche Vorbereitungszeit.
  • Bearbeitungszeit flexibel gestalten: Ein Mindestauftrag wird festgelegt; wer schneller fertig ist, wechselt zu einer Vertiefungsaufgabe.
  • Wahlmöglichkeiten bei Schreibaufträgen geben: Beispielsweise können Lernende zwischen zwei Themen, Bildern oder Schreibanlässen wählen.
  • Unterschiedliche Darstellungsformen zulassen: Inhalte können je nach Lernziel als Fliesstext, Stichpunkte, Tabelle, Mindmap oder Schaubild festgehalten werden.
  • „Expertenauftrag“ ergänzen: Besonders sichere Lernende erhalten einen kleinen Transferauftrag, etwa eine Regel selbst formulieren oder eine Ausnahme finden.
  • Aufgaben für andere erstellen lassen: „Schreibe drei Sätze, in denen dein Partner die Nomen finden muss.“ Damit wird aus einer einfachen Übung schnell eine Vertiefung.
  • Schwierigkeitsgrad selbst wählen lassen: Aufgaben können beispielsweise in Basis-, Übungs- und Expertenniveau angeboten werden, ohne dass die Lehrkraft jedem Kind ein Niveau zuweist.
  • Joker-Aufträge bereithalten: Einige universelle Aufträge funktionieren bei fast jedem Text: „Fasse zusammen“, „Finde eine passende Überschrift“, „Formuliere drei Fragen“, „Erkläre ein schwieriges Wort“, „Finde eine Textstelle, die du besonders wichtig findest“.

Möglichkeiten zur Differenzierung im Sachunterricht:

  • Nachschlagehilfen zulassen: Schulbuch, Lernblatt, Glossar, Atlas oder zuvor erarbeitete Hefteinträge können gezielt verwendet werden.
  • Angefangene Antworten bereitstellen: Lernende vervollständigen einen vorgegebenen Satz oder Gedankengang.
  • Tabellen teils vorausfüllen / Schaubilder teilweise beschriften: Einzelne Informationen sind bereits eingetragen, die übrigen werden selbstständig ergänzt. Vorgegebene Begriffe dienen der Orientierung.
  • Reihenfolgen vorgeben: Historische Ereignisse, Abläufe oder naturwissenschaftliche Prozesse können zunächst sortiert statt frei beschrieben werden.
  • Informationen zuordnen lassen: Begriffe, Bilder, Ereignisse, Jahreszahlen oder Erklärungen werden einander zugeordnet.
  • Expertenaufträge für schnelle Lernende anbieten: Sie recherchieren einen zusätzlichen Aspekt, erklären Zusammenhänge oder übertragen ihr Wissen auf eine neue Situation.
  • Ursache und Wirkung untersuchen lassen: „Welche Folgen hatte dieses Ereignis?“ oder „Was wäre möglicherweise anders gewesen, wenn …?“
  • Perspektivwechsel einsetzen: „Wie hätte eine Person aus dieser Zeit die Situation erlebt?“ eignet sich als schnelle Vertiefung historischer Themen.
  • Vergleiche formulieren lassen: Zwei Länder, Epochen, Tiere, Organe, Lebensräume oder politische Systeme werden miteinander verglichen.
  • Quizfragen erstellen lassen: Lernende entwickeln eigene Fragen samt Lösungen für die Klasse.
  • Aussagen als richtig oder falsch bewerten lassen: Ein schnell vorbereitetes Format zur Wiederholung und Differenzierung.
  • Zusammenfassungen erstellen lassen: Stärkere Lernende reduzieren einen Sachtext auf die wichtigsten Informationen.
  • Informationen visualisieren lassen: Inhalte werden als Mindmap, Tabelle, Zeitleiste oder einfaches Schaubild dargestellt.
  • Darstellungsform wählen lassen: Je nach Lernziel können Ergebnisse beispielsweise als Text, Tabelle, Mindmap oder Skizze festgehalten werden.
  • Kartenarbeit unterschiedlich unterstützen: Orte können bereits teilweise markiert sein, eine Auswahl möglicher Orte kann vorgegeben werden oder die Lernenden arbeiten selbstständig mit dem Atlas.
  • Beobachtungshilfen bei Experimenten / Versuchen geben: Leitfragen wie „Was verändert sich?“ oder „Was kannst du beobachten?“ lenken die Aufmerksamkeit.
  • Versuchsprotokolle teilweise vorstrukturieren: Überschriften oder einzelne Bestandteile sind bereits vorhanden; stärkere Lernende erstellen das Protokoll selbstständiger.

Wie können die von mir gewählten Differenzierungsmassnahmen für meine Schülerinnen und Schüler angeboten werden?

Nicht nur die Methode selbst, sondern auch die Art, wie Differenzierungsangebote im Unterricht bereitgestellt werden, kann unkompliziert und zeitsparend gestaltet werden. Wichtig ist vor allem, dass die Schülerinnen und Schüler schnell erkennen, welche Hilfen, Erweiterungen oder Wahlmöglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen.
  
Dafür bieten sich verschiedene Wege an:

  • direkt auf dem Arbeitsblatt, beispielsweise durch einen kleinen Zusatzauftrag oder eine gekennzeichnete Expertenaufgabe
  • durch wiederkehrende Symbole, die den Schülerinnen und Schülern anzeigen, ob es sich um eine Hilfe, eine Vertiefung oder eine Wahlaufgabe handelt
  • an der (digitalen) Tafel, sodass Zusatzaufträge und Hilfestellungen für alle sichtbar eingeblendet werden können
  • innerhalb einer PowerPoint-Präsentation, die als roter Faden durch die Unterrichtsstunde führt
  • mündlich und situativ durch die Lehrkraft, wenn sich erst während der Arbeitsphase zeigt, wer Unterstützung oder eine zusätzliche Herausforderung benötigt
  • über vorbereitete Hilfs-, Tipp- oder Zusatzkarten, die bei Bedarf selbstständig genommen werden können.

Besonders praktisch sind feste Symbole und wiederkehrende Strukturen. Kennen die Schülerinnen und Schüler diese erst einmal, genügt häufig ein kurzer Hinweis auf dem Arbeitsblatt, an der Tafel oder in der Präsentation. So wird auch die Organisation der Differenzierung selbst zu einer Routine und verursacht im Unterricht kaum zusätzlichen Aufwand.

Dieses Symbol für Zusatzaufgaben können Sie herunterladen und ausgedruckt an die Tafel hängen oder digital für PowerPointPräsentationen oder die digitale Tafel nutzen:

Abschliessend kann man sagen, dass Differenzierung nicht automatisch kompliziert sein muss. Oft sind es kleine Anpassungen, die im richtigen Moment einen grossen Unterschied machen – für die Schülerinnen und Schüler ebenso wie für die Lehrkraft.

Wichtig dabei ist, dass nicht jede (Mini-)Methode zu jeder Lehrkraft, jeder Klasse oder jeder Unterrichtssituation passt.

Die vorgestellten Ideen verstehen sich deshalb als „Methodenkoffer“, aus dem jede Lehrkraft diejenigen Ansätze auswählen kann, die zum eigenen Unterricht und zur eigenen Arbeitsweise passen. Denn auch bei der Differenzierung gilt: Sie muss nicht perfekt sein – sondern praktikabel.

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Wer schreibt hier?

Ich heiße Barbara Reisacher und bin Lehrerin an einer Mittelschule im schönen Bayern. Mein studiertes Hauptfach an der Universität Augsburg war Deutsch als Zweitsprache. Während meines Referendariats durfte ich erste Erfahrungen in einer Übergangsklasse sammeln und das theoretisch Gelernte in der Praxis anwenden. Im Moment bin ich Klassenleitung einer Deutschklasse und bereite parallel die SchülerInnen der 9. Klasse auf ihre Abschlussprüfung im Fach DaZ vor. In meiner täglichen Arbeit habe ich also sowohl mit Sprachanfängern, als auch mit fortgeschrittenen Sprachenlernern zu tun.