Mädchen auf Hunderterfeldteppich
Lernschwächen
Fachunterricht: Mathematik
Schülerförderung
Aktualisiert: 11.08.2026

Rechenschwäche/Dyskalkulie: Anzeichen, Förderung und passende Materialien für die Primarschule

Wenn Kinder trotz Übung grosse Schwierigkeiten beim Rechnen haben, kann eine Rechenschwäche dahinterstecken. Lernen Sie typische Anzeichen kennen und erfahren Sie, wie Sie betroffene Schülerinnen und Schüler gezielt fördern können.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Rechenschwäche – was ist das eigentlich?

Bei zwei bis acht Prozent der Grundschülerinnen und Grundschülern reicht normale Nachhilfe und zusätzliches Üben nicht aus. Ihnen fehlt das grundlegende Verständnis für Zahlen, Mengen, Grössen und mathematische Operationen

In der Fachliteratur finden sich die Bezeichnungen Rechenschwäche, Dyskalkulie oder Rechenstörung für dieses Problem. Gemeint sind anhaltende Probleme beim Erwerb grundlegender mathematischer Kompetenzen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt die Rechenstörung (ICD 10 – F81.2) als „umschriebene Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar“ ist. Dabei seien besonders die Grundrechenarten betroffen, weniger „die höheren mathematischen Fertigkeiten“. 

Während die Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) vielen Menschen bekannt sind, ist Rechenschwäche noch immer weniger im Bewusstsein verankert. Für Eltern und Lehrkräfte ist die Ursache der Probleme häufig schwer zu erkennen, da sich die Schwierigkeiten von Kind zu Kind unterschiedlich zeigen können.

Für die Eltern betroffener Kinder und auch Lehrkräfte ist der Grund für die Probleme häufig nicht auszumachen, da sich die Lernschwäche in Ursache und Erscheinungsform unterscheiden kann.

Umso wichtiger ist es, Schwierigkeiten im Mathematikunterricht aufmerksam zu beobachten und zu hinterfragen, ob möglicherweise eine Rechenschwäche dahintersteckt.

Tipp

Im Betzold Blog finden Sie zwei Beiträge von Lerntherapeutinnen, die Ihnen als Lerhkräfte Hilfestellungen bieten:

Rechenschwäche hat nichts mit mangelnder Intelligenz oder Fleiss zu tun!

Lange Zeit nahmen Lehrkräfte und Eltern an, rechenschwache Kinder seien unbegabt, nicht fleissig genug oder weniger intelligent. Dass dies nicht der Fall ist, zeigt aber schon ein Vergleich mit anderen Fächern: Oft werden hier durchschnittliche bis überdurchschnittliche Leistungen erzielt. 

Diese Diskrepanz zwischen den Leistungen in Mathematik und anderen Fächern stellt aber kein Kriterium für eine Dyskalkulie-Diagnose dar!

Hierauf weisen Rechenschwäche-Forscher wie Hans-Dieter Gerster, Michael Gaidoschik oder Hans Grissemann hin. Untermauert wird ihre Position durch die Ergebnisse einer Studie, die Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München 2014 veröffentlichten: 57% der teilnehmenden Kinder mit Rechenschwäche hatten auch grosse Probleme mit dem Lesen und/oder Schreiben.

Wichtig ist eine fachkundige Förderung

Alle Schülerinnen und Schüler mit mathematischen Lernschwierigkeiten benötigen eine entsprechende Förderung – Defizite in anderen schulischen Bereichen dürfen dabei kein Ausschlusskriterium darstellen. 

Auch Dr. Kristina Moll, die als Psychologin an der Studie mitarbeitete, verweist auf die Folgen, die drohen, wenn Kinder mit mehreren Lernschwächen durch das Raster fallen: „Die betroffenen Kinder brauchen eine intensive und spezifische Förderung, sonst eben besteht die Gefahr des schulischen Scheiterns, trotz guter Begabung.“ 

Schüler rechnet mit Wendeplättchen
Für die Eltern betroffener Kinder ist der Grund für die Probleme häufig nicht auszumachen, da sich die Lernschwäche in Ursache und Erscheinungsform unterscheiden kann, Quelle: Betzold

Wie äussert sich Dyskalkulie?

Die Schwierigkeiten werden häufig bereits in der ersten Klasse beim Übergang vom zählenden Rechnen zur Anwendung von nichtzählenden Strategien deutlich. Besonders beim Rechnen im Zahlenraum über 20 zeigen sich bei vielen Kindern mit Rechenschwierigkeiten deutliche Probleme, den Zahlenraum sicher zu erfassen und Rechenstrategien anzuwenden.

Erste Auffälligkeiten können aber bereits vor der Einschulung auftreten, wie Probleme mit der räumlichen Orientierung, dem Erfassen von Mengen oder  Vergleichen von Grössen.

Hat einer Ihrer Schülerinnen und Schüler in mehreren der im Folgenden aufgelisteten mathematischen Bereichen Schwierigkeiten, könnte eine Rechenschwäche die Ursache sein. Auch bei nicht rechenschwachen Kindern können einzelne Phänomene auftreten, meist aber nur für eine begrenzte Zeitspanne.

Die Ausprägung einer Rechenschwäche unterscheidet sich von Kind zu Kind: Die Schwierigkeiten müssen nicht in allen Bereichen auftreten und können unterschiedlich stark entwickelt sein. Bei der Aufzählung handelt es sich um Anhaltspunkte, die eine Diagnostik durch Experten nicht ersetzt, aber den Blick für die Problematik schärfen soll:

    • Mangelndes Zahlenverständnis:

      Mengen können nicht sicher erkannt oder verglichen werden, Zahlendreher, Schwierigkeiten beim Vorwärts- und Rückwärtszählen

    • Fehlende zeitliche und räumliche Orientierung:

      Zeitangaben können nicht bestimmt werden (vorher-nachher, kürzer-länger …); Schwierigkeiten beim Unterscheiden von rechts und links

    • Probleme bei den Grundrechenarten:

      Nur zählendes Rechnen ist möglich, Fingerrechnen, verwechseln von plus und minus, Rechenfehler um plus oder minus „eins“, Schwierigkeiten beim Lernen des Einmaleins, Rechenwege können nicht erklärt werden

    • Schwierigkeiten bei Vergleichen:

      grösser-kleiner, mehr-weniger, höher-niedriger …

    • Fehlendes Verständnis für mathematische Aufgabenstellungen:

      Inhalte von Textaufgaben können nicht erfasst werden, Bevorzugung von schriftlichen Lösungsverfahren auch bei simplen Aufgaben, mehrteilige Aufgaben werden nicht erfasst, Schwierigkeiten, die passende Rechenoperation auszuwählen

Lernverhalten

Auch im Lernverhalten der Kinder können Sie Auffälligkeiten feststellen:

    • Wirkt im Mathematikunterricht schnell frustriert
    • Entwickelt Angst vor Mathematik
    • Gelerntes wird schnell wieder vergessen
    • Hoher Zeitaufwand für Mathematikhausaufgaben
    • Bei mehrteiligen Aufgaben wird die Zielsetzung aus den Augen verloren
    • Auswendiglernen statt Verstehen
    • Häufig helfen die Eltern bei den Hausaufgaben in Mathematik und geraten aufgrund der angespannten Situation leicht in Streit mit ihren Kindern
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Wer hilft bei der Diagnose „Rechenschwäche“?

Je nach Bundesland und Angebot sind die Wege unterschiedlich. Wenn Sie eine Rechenschwäche bei einem Ihrer Schülerinnen und Schüler vermuten, können Sie sich an den für Ihr Bundesland zuständigen Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie wenden. Hier erhalten Sie auskunft über die Regelungen in Ihrem Bundesland. Weitere mögliche Anlaufstellen sind schulpsychologischen Beratungsstellen oder Kinderärztinnen und -ärzte. Über diese Stellen können Sie Kontakte zu spezialisierten Diagnostikstellen herstellen.

Info

Eine ausserschulische Lerntherapie ist häufig kostenintensiv und muss zunächst oft von den Eltern selbst finanziert werden. Unter bestimmten Voraussetzungen können Eltern für eine ausserschulische Lerntherapie Leistungen der Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII beantragen. Ob die Kosten übernommen werden, wird im Einzelfall geprüft. Ein Anspruch besteht nicht automatisch.

Mögliche Folgen von Dyskalkulie

Oft wirken sich die Probleme in Mathematik auf das allgemeine Verhalten des Kindes aus: Bedingt durch die ständigen Misserfolge entwickeln sie häufig Angst vor dem Fach Mathematik oder der Schule insgesamt. Bei manchen Kindern wirken sich die wiederholten Misserfolge auch auf die Motivation in anderen Fächern aus.

Mit der Zeit leidet auch das Selbstbewusstsein unter dieser Situation. Während einige Kinder eher verunsichert und bedrückt sind oder sich zurückziehen und niedergeschlagen wirken, reagieren andere aggressiv oder überspielen die Probleme mit überdrehtem Verhalten oder Clownereien.

Angst und Überforderung können auch psychosomatische Störungen verursachen (Kopfschmerzen, Bauchweh, Schlafstörungen …). Bleibt eine Rechenschwäche über längere Zeit unerkannt oder ohne Unterstützung, kann sie den weiteren Bildungsweg erschweren.

Die gute Nachricht: Werden die Schwierigkeiten früh erkannt und Kinder gezielt unterstützt, lassen sich viele negative Folgen vermeiden. Deshalb ist es wichtig, Auffälligkeiten ernst zu nehmen und passende Fördermassnahmen einzuleiten.

Was tun, wenn das Problem erkannt ist?

Wird bei einem Kind eine Rechenschwäche vermutet oder festgestellt, stellt sich die Frage nach geeigneten Hilfestellungen. Da sich die Ausprägung der Rechenschwäche von Kind zu Kind unterscheidet, muss auch die Förderung auf die spezifischen Schwierigkeiten abgestimmt werden – Rechenschwäche erfordert deshalb eine individuelle Förderung.

Diese kann in Form einer ausserschulischen Lerntherapie erfolgen. Diese setzt am aktuellen Lernstand des Kindes und an seinen individuellen Fehlermustern an.

Die Denkstrategien der rechenschwachen Kinder zur Lösung mathematischer Aufgaben werden einer Prüfung unterzogen, mit dem Ziel, dass das Kind verstehen kann, warum sie zu falschen Ergebnissen führen. Grundlegende mathematische Vorstellungen müssen neu aufgebaut, weiterentwickelt und gefestigt werden. Dem Kind wird dabei verständlich gemacht, dass eine Rechenschwäche nichts mit Dummheit oder Faulheit zu tun hat!

Die Förderung erfolgt meist in kleinen Schritten. Erfolgserlebnisse helfen dabei, das Selbstvertrauen der Kinder wieder aufzubauen und ihnen mehr Sicherheit im Umgang mit Mathematik zu geben. Dabei gilt: Je früher Schwierigkeiten erkannt und passende Massnahmen eingeleitet werden, desto besser.

Im Idealfall stehen Lerntherapeutinnen und Lerntherapeuten im Austausch mit den Mathematiklehrkräften und den Eltern. Eine gute Zusammenarbeit ist für den Therapieerfolg massgeblich. Dies fördert auf Lehrer- und Elternseite Verständnis für die Schwierigkeiten der Kinder. Für die Lerntherapeuten ist der Informationsaustausch wiederum hilfreich, um die Therapie besser auf das Kind abstimmen zu können.

Wichtig ist, keinen Druck durch die Erwartungshaltung an gute Schulnoten auszuüben, sondern stattdessen die Stärken betonen und so für den nötigen Rückhalt sorgen.

Deshalb gilt: Feiern Sie auch kleine Erfolge!

Übungsmaterialien

Neben der Lerntherapie können Kinder mit Rechenschwierigkeiten (am besten in Absprache mit den betreuenden Lerntherapeutinnen und Lerntherapeuten) in der Schule und zu Hause mit geeigneten Materialien unterstützt werden. Richtig eingesetzt, bieten sie eine Hilfe, Zahlen und mathematische Operationen zu verstehen und zu verinnerlichen.

Sie sollen helfen, die mathematischen Handlungen zu visualisieren, also gewissermassen in Bilder zu übersetzen. Das Üben sollte stressfrei und in nicht zu langen Einheiten ablaufen – die Erfolgserlebnisse sind auch hier ausschlaggebend.

Die Lernmittel sind aber keine Wundermittel: Ihre Funktion erschliesst sich nicht von selbst! Die Kinder benötigen Hilfe, die Strukturen zu erfassen, damit sie sie tatsächlich als Veranschaulichung verstehen können. Bei der Arbeit mit den verschiedenen Materialien sollte deshalb immer wieder hinterfragt werden, welche Denkstrukturen das Kind anwendet.

Wenn es die neuen Hilfsmittel wieder zum Abzählen nutzt, bringt dies keine Fortschritte. Besonders gut geeignet sind deshalb Materialien, die zählende Strategien nicht fördern.

Info

Material zur Förderung bei Dyskalkulie

In der Betzold Beratung erhalten Sie eine übersichtliche Zusammenstellung passender Übungsmaterialien:

zur Beratung

Für rechenschwache Kinder sind Zahlen häufig abstrakt und voneinander unabhängig – ähnlich wie Hausnummern. Sie verstehen nicht, dass Zahlen in der Mathematik voneinander abhängen und in Beziehung zueinander stehen.

Geeignetes Anschauungsmaterial kann verdeutlichen, welche Mengen hinter den Zahlen stehen und den Kindern helfen, sich zunehmend vom zählenden Rechnen zu lösen. Besonders gut eignet sich Material, das die Fünfer- und Zehnergliederung, mit der viele rechenschwache Kinder Probleme haben, sichtbar macht:

Wendeplättchen und Rechenleisten:

Wendeplättchen eignen sich besonders in Kombination mit Rechenleisten. Diese geben den Plättchen eine Struktur – meist sind es Fünfer- der Zehnerrechenleisten – damit Kinder Mengenstrukturen erkennen können, statt jede Menge einzeln abzuzählen. Von Vorteil ist ausserdem, dass die Punktform sich gut zur Übertragung in zeichnerische Darstellungen eignet. Oft gleichen die Abbildungen in den Mathematik-Lehrbüchern bereits den Plättchen.

Hier haben wir für Sie Ideen für erste Übungen mit Wendeplättchen, Steckwürfel, Rechenkette und Schüttelbox zusammengestellt:

Cuisenaire-Material:

Bei Cuisenaire-Material handelt es sich um je nach Länge unterschiedlich gefärbte Stäbchen. Die unterschiedlichen Längen unterstützen Kinder dabei, Beziehungen zwischen Zahlen und Mengen zu erkennen, ohne sich ausschliesslich am Abzählen zu orientieren. Mit den Stäbchen können die Schülerinnen und Schüler beispielsweise Längen vergleichen oder zeigen, wie eine Zahl in zwei Summanden zu zerlegen ist.

Hundertertafel:

Eine Hundertertafel eignet sich, um die Orientierung im Zahlenraum bis 100 zu schulen. Hier sehen die Kinder auf einen Blick, wo z.B. die Zahl 73 einzuordnen ist, welche Zahlen grösser oder kleiner sind und direkt davor und dahinter stehen. Die Anordnung in Zehnerschritten erleichtert dabei den Überblick.

Dienes-Material:

Noch anschaulicher wird es durch den Einsatz von Dienes-Zehnersystemblöcken: Mit Hilfe von Einerwürfeln, Zehnerstangen, Hunderterplatten und Tausenderwürfeln kann beispielsweise die Zahl 73 in ihrer Zusammensetzung aus Zehnerstangen und Einerwürfeln (be-)greifbar gemacht werden. Die Zahlen werden als Mengen darstellbar und die Kinder können „Vorstellungsbilder“ zu den Zahlen entwickeln.

Rechenketten:

Bei den Rechenketten sind immer 5 oder 10 Perlen in derselben Farbe aufgereiht. Es gibt sie mit 20 oder 100 Perlen. Die Kinder lernen die gleichfarbigen Perlen simultan als Menge von 5 (oder 10) zu erfassen und sich dadurch langsam vom zählenden Rechnen zu lösen. Die Rechenkette hilft auch dabei, zu verstehen, dass jeder Zahl eine bestimmte Menge zugeordnet ist. Wichtig ist, dass Kinder die Perlenstrukturen bewusst nutzen und nicht jede Perle einzeln abzählen.

Die Lernhilfen können auch einfach selbst gemacht werden: Rechenketten basteln. 

Weitere Lernmaterialien, die helfen, Zahlen und Rechenvorgänge zu visualisieren:

In fast jeder Primarschulklasse gibt es ein oder mehrere Kinder mit Rechenschwäche. Wird eine Rechenschwäche früh erkannt und erhalten Kinder passende Unterstützung, können sie wichtige mathematische Grundlagen aufbauen und wieder mehr Sicherheit im Umgang mit Zahlen gewinnen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Dyskalkulie/Rechenschwäche?

Dyskalkulie bezeichnet anhaltende Schwierigkeiten beim Erwerb grundlegender mathematischer Fähigkeiten. Betroffene Kinder haben beispielsweise Probleme, Zahlen, Mengen und Rechenoperationen zu verstehen und mathematische Zusammenhänge aufzubauen. Die Ursachen sind vielfältig und nicht allein durch mangelnde Begabung oder fehlende Anstrengung erklärbar.

Wie äussert sich eine Dyskalkulie?

  • Schwierigkeiten beim Erfassen von Mengen und Zahlen
  • häufiges Abzählen bei einfachen Rechenaufgaben
  • Probleme mit Zahlbeziehungen und dem Zahlenraum
  • Unsicherheiten bei Grundrechenarten und Einmaleins
  • Schwierigkeiten beim Verständnis von Sachaufgaben
  • Probleme, Rechenwege nachzuvollziehen oder zu erklären

Was tun bei Rechenschwäche bei Kindern?

Eine erste Anlaufstelle sind die Landesverbände Legasthenie und Dyskalkulie oder schulpsychologischen Beratungsstellen. Über diese Stellen können Sie Informationen über die in Ihrem Bundesland gültigen Regelungen und Vorgehensweisen erhalten.

Besteht die Möglichkeit eines Nachteilsausgleichs?

Ob ein Nachteilsausgleich bei Dyskalkulie möglich ist, hängt von den Regelungen des jeweiligen Bundeslandes und der Schulart ab. Massnahmen können beispielsweise zusätzliche Bearbeitungszeit, angepasste Aufgabenstellungen oder bestimmte Hilfsmittel umfassen. Lehrkräfte und Eltern sollten sich über die geltenden Regelungen im jeweiligen Bundesland informieren.

Warum entwickeln manche Kinder eine Rechenschwäche?

Die genauen Ursachen einer Rechenschwäche sind noch nicht vollständig geklärt. Forschende gehen heute davon aus, dass eine Kombination mehrerer Faktoren mit Wechselwirkungen zueinander zum Auftreten einer Rechenschwäche führen kann:

  • Genetische Faktoren
    Studien zeigen ein verstärktes Auftreten von Dyskalkulie unter Verwandten. Dies spricht für eine genetische Veranlagung. Allerdings gibt es dafür noch keinen Beleg. Möglicherweise muss man auch in Betracht ziehen, dass rechenschwache Eltern ihren Kindern ungewollt eine negative Haltung gegenüber der Mathematik vermitteln. 
  • Neuropsychologische Faktoren
    Sehr stark vereinfacht gesagt, sehen einige Forscher Anzeichen dafür, dass bei rechenschwachen Kindern das Zusammenspiel der verschiedenen Regionen des Gehirns anders abläuft. Diese Unterschiede können dazu beitragen, dass grundlegende mathematische Zusammenhänge schwerer verstanden werden. Die genauen Zusammenhänge werden weiterhin erforscht.
  • Entwicklungspsychologische Faktoren
    Dem Entwicklungspsychologen Jean Piaget folgend wird angenommen, dass Aufbau und Verinnerlichung von Zahlbegriff und mathematische Operationen in vier Phasen abläuft (Handlung mit konkretem Material, Bildliche Darstellung, Symbolische Darstellung, Automatisierung im Symbolbereich). Wird eine Phase nicht verstanden, können darauf folgende nicht erreicht werden. Sind Kinder entwicklungsbedingt beim Lernen neuer mathematischer Operationen nicht in der Lage, den Stoff schnell genug zu verinnerlichen, geraten sie in Rückstand und entwickeln Defizite, die zu einer Rechenschwäche führen können.
  • Familiäre/sprachliche Faktoren
    Auch Sprache spielt beim Mathematiklernen eine wichtige Rolle. Begriffe wie mehr, weniger, grösser oder kleiner sowie das Verständnis von Aufgabenstellungen müssen sicher beherrscht werden. Zusätzlich können die Lernumgebung und der Umgang mit Mathematik im familiären Umfeld Einfluss darauf haben, wie Kinder mathematische Inhalte erleben und bewältigen.
  • Schulische Faktoren
    Ein veränderter Unterrichtsstil und neue Methoden durch den Wechsel von Lehrkräften können sich negativ auf rechenschwache Schülerinnen und Schüler auswirken. Auch ein schnelles Voranschreiten im Unterrichtsstoff ohne ausreichendes Eingehen auf das Zahlenverständnis kann sich negativ auswirken. Schwierig zu verstehen sind auch abstrakte Darstellungen bei zu wenigen praktischen Übungen.

Weiterführende Links

Marion Mohnhaupt zeigt im Beitrag "Mathe-Angst und Rechenstörung vorbeugen" was zum Beispiel beim Einmaleins-Lernen schief laufen kann und Kindern - auch ohne Dyskalkulie - den Spass an Mathe nimmt.
Susanne Seyfried erläutert in ihrem Beitrag "Legasthenie und Dyskalkulie: Bewusstsein steigern und Anzeichen erkennen", wie Sie Anzeichen einer Lernschwäche erkennen. welche Hilfsangebote bestehen und wie die Kooperation von Lerntherapeuten und Lehrkräften aussehen kann.
Schreibende Kinder
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Bettina Kroker
Online-Redakteurin
Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: