Nachdenkliches Kind vor Tafel
Fachunterricht: Mathematik
Aktualisiert: 06.10.2026

Angstfach Mathematik: Ursachen und Tipps für den Umgang mit Mathe-Angst

So helfen Sie Kindern mit Mathe-Angst: In diesem Beitrag erfahren Sie, woran Sie die Angst erkennen, welche Ursachen hinter dem „Angstfach Mathematik“ stecken und wie Sie als Lehrkraft gezielt unterstützen können. Von individueller Förderung über Lernmaterialien und digitale Hilfsmittel bis hin zu praxisnahen Ansätzen, die Mathe wieder greifbar und verständlich machen.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin
andreaobzerova – stock.adobe.com

Mathe ist unter Schülerinnen und Schülern das Angstfach Nummer 1. Gibt man „Angstfach“ bei Google ein, sind die ersten beiden aufgelisteten Ergänzungen „Mathematik“ und „Mathe“. Die Angst vor Mathematik kann sich dabei deutlich auf das Lernen und die Leistungen auswirken. Für Lehrerinnen und Lehrer ist es deshalb hilfreich, mögliche Anzeichen von Mathe-Angst zu erkennen und ernst zu nehmen.

Mathe-Angst erkennen: Typische Anzeichen

Angst vor dem Fach Mathematik kann sich bereits in der Primarschulzeit entwickeln. Manchmal klingen sie z. B. durch den Wechsel der Lehrkraft wieder ab, aber oft verstärken sie sich mit der Zeit und haben sogar körperliche Auswirkungen:

    • Häufiges Fehlen genau an Tagen mit Mathe-Klassenarbeiten oder mündlichen Prüfungen
    • Blackouts in Prüfungssituationen
    • Keine/abgeschriebene Hausaufgaben – während die in den anderen Fächern meist erledigt werden
    • Körperliche Symptome wie Bauchschmerzen, Kopfweh oder Übelkeit in den Stunden und besonders vor und während der Klassenarbeiten
    • Deutliche Nervosität oder Anspannung vor Mathematikstunden, Tests oder Klassenarbeiten
    • Schnelles Aufgeben bei mathematischen Aufgaben und geringe Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten
    • Negative Aussagen über die eigenen mathematischen Fähigkeiten, etwa „Ich kann kein Mathe“ oder „Ich bin einfach schlecht in Mathe“
    • Zurückhaltung im Unterricht, beispielsweise wenn es darum geht, Rechenwege zu erklären, Ergebnisse vorzustellen oder an der Tafel vorzurechnen
    • Vermeidung von Mathematikaufgaben oder der Versuch, Aufgaben möglichst lange hinauszuzögern

Ein wichtiges Kriterium ist dabei, ob die Auffälligkeiten tatsächlich mit dem Fach Mathematik zusammenhängen. Zeigt ein Kind beispielsweise nur vor Mathematikarbeiten starke Nervosität, während es Leistungssituationen in anderen Fächern gut bewältigt, kann dies ein Hinweis auf eine fachspezifische Angst sein. Einzelne Anzeichen allein sind jedoch noch kein Beleg für Mathe-Angst.

Warum entsteht Mathe-Angst?

Mathe-Angst hat meist nicht nur eine Ursache. Verschiedene Erfahrungen und Voraussetzungen können dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler Mathematik zunehmend mit Unsicherheit, Stress oder Angst verbinden.

Eine Ursache für die Angst vor dem Fach Mathematik kann eine unerkannte Lernschwäche, wie Dyskalkulie (Rechenschwäche), darstellen. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Blog-Beitrag „Rechenschwäche – Wenn zwei plus zwei nicht vier ergibt“.

Aber Mathe kann sich auch aus vielen anderen Gründen zum Angstfach entwickeln:

  • Wissenslücken und wiederholte Misserfolge

    Der Unterricht in Mathematik baut auf dem zuvor gelernten Wissen auf. Wer eine Zeit lang nicht richtig bei der Sache ist, hat grosse Schwierigkeiten, mit guten Leistungen wieder einzusteigen, wenn er wieder aufmerksamer ist und mehr lernt.

    Wiederholte Misserfolge frustrieren, und die Motivation zu lernen sinkt. Das Resultat ist klar: Aufgaben werden zunehmend vermieden, die Noten werden noch schlechter und anstehende Klassenarbeiten beginnen, Panik auszulösen.
  • „Ich kann einfach kein Mathe“

    Viele Schülerinnen und Schüler (und Erwachsene!) sehen gute Leistungen in Mathematik als Sache der persönlichen Veranlagung an: Mathe kann man, oder man kann es eben nicht. Wer von dem Glaubenssatz überzeugt ist, Mathematik liege ausschliesslich an einer angeborenen Begabung, kann bei Schwierigkeiten schneller aufgeben, denn demnach bringt jede noch so grosse Anstrengung nichts. Wer das Lernen aber bleiben lässt, verpasst viel und kann, wenn er seinen Irrtum bemerkt, nur schwer wieder einsteigen.
Schüler schreiben im Klassenzimmer
Mathe kann man durchaus lernen! WavebreakMediaMicro – stock.adobe.com
  • Schlechte Lernerfahrungen

    Eine Situation, die für viele Schülerinnen und Schüler unangenehm ist, ist z. B. das Vorrechnen an der Tafel. Ein ironischer Spruch in dieser Situation, der für Gelächter bei den anderen sorgt, kann dazu führen, dass sich der Schüler/die Schülerin an der Tafel blossgestellt fühlt. Solche und ähnliche negative Erfahrungen können eine Abneigung gegen den Matheunterricht begründen. Schon kleine Blamagen vor der Klasse oder Kränkungen durch eine Lehrkraft können die Basis für eine Matheangst legen – selbst wenn sie von Seiten der Lehrkraft nicht kränkend gemeint waren.

    Manchmal sind sich Lehrerinnen und Lehrer nicht ausreichend über den Einfluss, den sie auf Schülerinnen und Schüler haben, bewusst. Es ist deswegen wichtig, das eigene Handeln und Bemerkungen immer wieder kritisch zu hinterfragen.

  • Leistungs- und Prüfungsdruck

    Je mehr Angst die nächste Mathestunde oder Klassenarbeit auslöst, umso schlechter sind wir dazu in der Lage, gute Leistungen zu erbringen. Klassenarbeiten, Zeitdruck und die Angst vor einer schlechten Note können die Anspannung zusätzlich verstärken. Wer bereits mit Angst in eine Prüfung geht, kann sich dadurch noch stärker unter Druck setzen. Blackouts bei den einfachsten Fragen sind eine Folge und die Panik vor der nächsten Arbeit wird umso grösser. Mathematikangst steht in Zusammenhang mit schlechteren mathematischen Leistungen, wobei Ursache und Wirkung nicht immer eindeutig voneinander zu trennen sind.

rechts: Frau laminiert, links Junge auf Pedalo

Wie können Sie Schülerinnen und Schülern mit Mathe-Angst helfen?

Mathe-Angst lässt sich nicht mit einem einzelnen Tipp lösen. Wichtig ist herauszufinden, wodurch die Angst ausgelöst oder verstärkt wird. Je nach Ursache können unterschiedliche Massnahmen helfen.

  • Ursachen & Auslöser: Was steckt hinter der Angst vor Mathematik?

    Bevor Sie konkrete Massnahmen einsetzen, lohnt sich ein genauer Blick auf die Situation des Kindes. Treten die Schwierigkeiten vor allem bei Klassenarbeiten auf? Fehlen grundlegende Rechenkenntnisse? Oder hat das Kind möglicherweise vor allem Angst davor, vor anderen einen Fehler zu machen?

    Sprechen Sie mit der Schülerin oder dem Schüler darüber, was Mathematik so schwierig oder belastend macht. Auch ein Blick auf die bisherige Lernentwicklung kann hilfreich sein. So lässt sich besser einschätzen, ob beispielsweise fachliche Lücken, negative Lernerfahrungen oder Leistungsdruck eine Rolle spielen.

    Bei anhaltenden und ausgeprägten Schwierigkeiten sollte ausserdem geprüft werden, ob eine Lernschwierigkeit wie Dyskalkulie vorliegen könnte. Mathe-Angst und eine Rechenschwäche sind dabei nicht dasselbe, können aber gemeinsam auftreten.
  • Mathematische Grundlagen nacharbeiten

    Da die Angst vor einem Fach häufig dazu führt, dass sich Schülerinnen und Schüler möglichst wenig damit befassen wollen, sind sie mit dem Unterrichtsstoff meist im Rückstand. Da Mathematik stark auf bereits erworbenen Kenntnissen aufbaut, fehlen wichtige Grundlagen. Die verpasste Basis muss nachgeholt werden.

    Zielführend ist deshalb eine individuelle Förderung der betroffenen Schülerinnen und Schüler. Als Lehrkraft können Sie das unterstützen, aber, bei grösserem Nachholbedarf, nicht alleine parallel zum Unterricht leisten. Gemeinsam mit den Eltern und dem Schüler/der Schülerin können Sie über Nachhilfe-Optionen sprechen. Eine Studie, die von Wissenschaftlern der Stanford University 2015 veröffentlicht wurde, legt nahe, dass individuell abgestimmter Einzelunterricht gegen Matheängste helfen kann.

    Sie können die Nachhilfelehrerinnen und -lehrer der Kinder durch Ihre Einschätzung zu den Punkten, bei denen es den grössten Nachholbedarf gibt, und durch Übungsmaterialien unterstützen.

    Für Schülerinnen und Schüler mit Angst vor Mathematik können auch Mathe-Lernvideos von Vorteil sein. Die Kinder können sich das Wissen zu Hause, ausserhalb des negativen Mathestunden-Settings, in Ruhe und in ihrem Lerntempo ansehen.
Lehrerin hilft Schülerin
Individuell auf die Bedürfnisse der Schüler abgestimmter Nachilfeunterricht hat bei Mathe-Angst die grössten Erfolgsaussichten. Robert Kneschke – stock.adobe.com
  • Leistungsdruck reduzieren & Sicherheit schaffen

    Für Schülerinnen und Schüler mit Mathe-Angst können Prüfungssituationen besonders belastend sein. Zeitdruck, die Angst vor Fehlern oder das Gefühl, von anderen beobachtet zu werden, können die Anspannung zusätzlich verstärken. Versuchen Sie deshalb den Druck auf sie möglichst gering zu halten. Eine schlechte Note in Mathe ist kein Weltuntergang und auch kein Anzeichen für mangelnde Intelligenz.

    Mögliche Massnahmen sind:

    • ausreichend Zeit für die Bearbeitung einplanen
    • Aufgabenstellungen klar und übersichtlich formulieren
    • bekannte Aufgabenformate regelmässig üben
    • Hilfsmittel und Nachschlageangebote gezielt einsetzen
    • bei Übungsaufgaben auf unnötigen Zeitdruck verzichten
    • Fehler als Teil des Lernprozesses thematisieren
  • Gerade bei ausgeprägter Angst kann es sinnvoll sein, den Umgang mit Prüfungssituationen schrittweise zu üben, anstatt die Schülerinnen und Schüler sofort wieder unter hohen Leistungsdruck zu setzen.
  • Erfolgserlebnisse ermöglichen: Mathe kann man lernen!

    Natürlich gibt es Menschen, denen Mathe leichter fällt als anderen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass man sich mathematisches Wissen nicht aneignen kann. Der ein oder andere benötigt dazu vielleicht eine individuelle Förderung. Doch mit Hilfe, Übung und Durchhaltevermögen kann es jeder schaffen, solide Leistungen zu erreichen!

    Setzen Sie deshalb auf erreichbare Lernziele und geben Sie regelmässig Rückmeldungen zu konkreten Fortschritten. Statt allgemein zu sagen „Du bist gut in Mathe“, ist beispielsweise eine Rückmeldung wie „Du hast heute selbst erkannt, welchen Rechenweg du brauchst“ hilfreicher.

    Auch kleine Fortschritte sind dabei relevant. Sie können dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler ihre eigenen mathematischen Fähigkeiten wieder positiver wahrnehmen.

    Schülerinnen und Schüler brauchen Erfolgserlebnisse, um sich für ein Fach begeistern zu können und motiviert mitzuarbeiten. Oft ist das „Mathe-Selbstbewusstsein“ betroffener Kinder gestört und muss erst langsam mithilfe kleiner Erfolgsmeldungen wieder aufgerichtet werden.
  • Verstehen statt Auswendiglernen

    Mathematische Regeln und Verfahren lassen sich nur sicher anwenden, wenn Schülerinnen und Schüler verstehen, warum sie funktionieren. Blosses Auswendiglernen bringt Schülerinnen und Schüler in Mathematik irgendwann an den Punkt, an dem sie damit nicht mehr weiterkommen. Rechenwege sollten deshalb nachvollzogen und an unterschiedlichen Beispielen angewendet werden.

    Eine gute Möglichkeit, den realen Alltag mit der Mathematik zur verknüpfen, bieten mathematische Modellierungen. Mithilfe des eigenen Wissens können die Schülerinnen und Schüler Lösungen für ein real existierendes Problem suchen. Diese und weitere Motivationsmöglichkeiten in Mathematik finden Sie im Beitrag: „Wie Sie Ihre Schülerinnen und Schüler für das Fach Mathematik motivieren“.

    Visualisierungen (wie GeoGebra für den Geometrieunterricht oder Montessori-Materialien), Anschauungsmaterial, Skizzen oder konkrete Situationen können dabei helfen, abstrakte mathematische Inhalte greifbarer zu machen. Besonders bei neuen oder schwierigen Inhalten kann es sinnvoll sein, zwischen verschiedenen Darstellungsformen zu wechseln.

    Auch die Frage „Wofür brauche ich das?“ lässt sich aufgreifen: Bezüge zu Alltag, anderen Fächern oder konkreten Problemstellungen können helfen, die Bedeutung mathematischer Inhalte verständlicher zu machen.

  • Selbstständiges Lernen unterstützen

    Nicht jede Schülerin und jeder Schüler arbeitet auf dieselbe Weise erfolgreich. Zusätzliche Erklärungen, Lernvideos, Übungsmaterialien oder digitale Werkzeuge können eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht sein.

    Wichtig ist dabei, dass die Materialien zur konkreten Lernfrage passen und nicht einfach möglichst viele zusätzliche Aufgaben bereitstellen. Ziel sollte sein, Schülerinnen und Schüler beim selbstständigen Verstehen und Üben zu unterstützen – und ihnen dabei zunehmend mehr Sicherheit im Umgang mit Mathematik zu geben.

Wichtig

Mathe-Angst sollte ernst genommen werden! Wenn die Angst sehr stark ist, dauerhaft besteht oder den Schulbesuch und die Leistungen erheblich beeinträchtigt, reicht eine Veränderung im Unterricht möglicherweise nicht aus.

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, gemeinsam mit Eltern und gegebenenfalls weiteren Fachpersonen nach geeigneter Unterstützung zu suchen.

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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: